Mordfall Kandel: Täter ist noch minderjährig – Debatte um Alterstest für Flüchtlinge

20. Februar 2018 - 14:04 Uhr

Vater des Opfers zweifelte Alter des Täters an

Am 27. Dezember erstach ein 15-jähriger Afghane in Kandel (Rheinland-Pfalz) ein gleichaltriges Mädchen nach einem Streit. Wie sich später herausstellte, war das Opfer die Ex-Freundin des 15-Jährigen, der als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland gekommen war. Kurz nach der Tat äußerte der Vater der Getöteten Zweifel am Alter des Jungen. "Er ist nie und nimmer erst 15 Jahre alt. Wir hoffen, dass wir durch das Verfahren jetzt sein wahres Alter erfahren", sagte er gegenüber der 'Bild'.

Alterstest für Flüchtlinge: Einheitliche Verfahren gefordert

Knapp eine Woche nach der Tat teilte nun der Kreis Germersheim mit, dass Fachleute davon ausgehen, dass der Tatverdächtige noch unter 18 Jahren ist. Eine Volljährigkeit werde ausgeschlossen. Dabei beruft sich der Kreis auf eine Untersuchung in Frankfurt.

Die Tat in Kandel hatte – wie zuvor der Mord von Hussein K. an der Studentin Maria L. in Freiburg – eine Diskussion über falsche Altersangaben seitens Flüchtlingen entfacht. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) forderte bundeseinheitliche Verfahren zur Altersfeststellung von mutmaßlich minderjährigen Asylbewerbern. Es sei das "gute Recht des deutschen Staates", mit ärztlichen Tests zu klären, ob die Altersangaben mutmaßlich minderjähriger Migranten medizinisch nachvollziehbar seien. Einige Bundestagsabgeordnete der CSU wollen auf ihrer am Donnerstag beginnenden Klausurtagung die Forderung beschließen, bei allen minderjährigen Flüchtlingen das Alter festzustellen. Der Grünen-Politiker Boris Palmer brachte eine Umkehr der Beweispflicht ins Gespräch. "Wer nicht nachweisen kann oder durch eine Untersuchung nicht belegen will, dass er unter 18 Jahren alt ist, wird als Erwachsener behandelt", schrieb der Tübinger Oberbürgermeister auf Facebook.

Präsident der Bundesärztekammer widerspricht

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, kritisierte die Alterstests hingegen. "Wenn man das bei jedem Flüchtling täte, wäre das ein Eingriff in das Menschenwohl", sagte Montgomery der 'Süddeutschen Zeitung'. Das Röntgen des Handgelenks – Grundlage einer Altersfeststellung – ohne medizinische Notwendigkeit sei "ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit".