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Morddrohung angeblich nicht ernst genommen - hätte die Bluttat von Hameln verhindert werden können?

Kader liegt schwerverletzt im Koma.
Kader K. wurde von ihrem Ex-Mann durch die Straßen von Hameln geschleift. © Foto: Privat

Opfer soll sich zuvor bei der Polizei gemeldet haben

Kader K. ist Opfer ihres Ex-Mannes Nurettin B. geworden. Zuerst stach er mehrfach mit dem Messer auf sie ein, dann schleifte er sich mehrere hundert Meter weit hinter seinem Auto her. Kurz vor der Tat soll K. bereits bei der Polizei gewesen sein, um eine Morddrohung zu melden. Hätte die monströse Tat also verhindert werden können?

Ex-Mann bekam nur eine Ermahnung

Die Polizei schickte eine Streife zum Haus der 28-Jährigenund verwarnte ihren Ex-Mann. Man werde ihn in Zukunft genau im Auge behalten.

Das hielt den 38-Jährigen jedoch nicht davon ab, seine Ex-Frau brutal zu misshandeln und zu versuchen, sie umzubringen. Offenbar war seine Wut so groß, dass er zu allem bereit war. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge glaubt deswegen nicht daran, dass die Tat hätte verhindert werden können. "Ich weiß nicht, ob eine solche Tat bei einem Menschen, der offenbar so entschlossen und so brutal vorgeht, hätte verhindert werden können", sagt er. Es habe damals noch keine Möglichkeit gegeben habe, gegen ihn vorzugehen.

Allerdings soll Kader bereits zuvor von ihrem Ex-Mann bedroht und unter Druck gesetzt worden sein. Seit der Scheidung, die in einem Streit um Unterhaltszahlungen endete, eskalierte die Situation zwischen den beiden.

Frauen müssen sich selbst aus dem Teufelskreis befreien

HANDOUT - Eine Mitarbeiterin der Kriminaltechnik bei der Spurendokumentation in der Königstraße in Hameln (Niedersachsen) am späten 20.11.2016. Mit einem Seil hat ein Mann eine junge Frau an die Anhängerkupplung eines Autos gebunden und Hunderte Mete
Nichts deutet auf die grauenvollen Vorgänge hin, die sich hier abgespielt haben müssen. © dpa, Polizei Hameln

Möglicherweise litt Kader länger unter gewalttätigen Übergriffen von Nurettin. Das Problem häuslicher Gewalt nimmt in Deutschland weiter zu.

Laut einem Bericht des Bundeskriminalamtes wurden im vergangenen Jahr 104.290 Frauen Opfer häuslicher Gewalt. Die Dunkelziffer liegt Experten zufolge weit darüber, weil viele Fälle gar nicht angezeigt würden. Genau dazu rät allerdings Jaqueline K. Sie wurde psychisch und körperlich unter Druck gesetzt, gedemütigt und geschlagen, bis sie es nicht mehr aushielt und zur Polizei ging. Der mutige Schritt muss von den Betroffenen selbst kommen, meint Jaqueline. Man darf auf keinen Fall warten, bis es zu spät ist.

Maja Weber von 'Terre des femmes' kennt den Teufelskreis der Frauen, die Gewalt in der Beziehung erleben: "Der Mann schlägt zu oder übt psychische Gewalt aus. Bringt Blumen mit, entschuldigt sich." Das macht es ihnen nicht gerade leicht, sich zu trennen.

Für Kader kommen diese Ratschläge zu spät. Sie liegt schwerverletzt im Koma. Ihr zweijähriger Sohn Cudi, der die Tat auf dem Rücksitz miterleben musste, ist in der Obhut des Jugendamtes.

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