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Mordanschlag auf junge Muslimin: Eltern freigelassen - Ehemann und Bruder weiter in U-Haft

Strafverfahren wegen eines Ehrenmordversuches
Einer der Angeklagten werden im Gerichtssaal die Handschellen abgenommen. © dpa, Felix Kästle, lix fdt

Mutmaßlicher "Ehrenmord" in Ravensburg: Anklage wie aus einem Horrorfilm

Mit drei Messern wurde die 17-jährige Alaa W. aus Laupheim bei Biberach im Februar diesen Jahres so schlimm zugerichtet, dass selbst die sachlich-nüchternen Ausführungen der Staatsanwaltschaft Grauen im Gerichtssaal erregen. Auf der Anklagebank im Landgericht Ravensburg sitzen ihr Ehemann, ihr Bruder und ihre Eltern. Die junge Frau soll die "Ehre der Familie" verletzt haben. Die Eltern sind jetzt aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Mordanschlag "aus niedrigen Beweggründen"

Die Füße eines der Angeklagten in Fußfesseln
Einer der Angeklagten wird in Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt. Foto: Felix Kästle/Archiv © dpa, Felix Kästle, lix fdt

Die Entscheidung, die Eltern freizulassen, habe die Jugendkammer nach der Zeugenvernehmung der inzwischen 18 Jahre alten Frau getroffen, teilte das Landgericht der baden-württembergischen Stadt mit. Nach ihrer Aussage sei der Tatverdacht einer gemeinschaftlich begangenen gefährlichen Körperverletzung gegen die Eltern verneint worden. Das Paar soll die mutmaßlichen Haupttäter - den Bruder und den Ehemann des Opfers - zur Tötung ihrer Tochter aufgefordert haben, dann aber doch Hilfe für die Schwerverletzte geholt haben. Die beiden Männer bleiben weiterhin in U-Haft.

Dem aus Syrien stammenden Mann und dem aus dem Libanon stammenden Bruder wird gemeinschaftlicher versuchter Mord vorgeworfen. Laut Anklagebehörde war eine angeblich "beschmutzte Familienehre" das Motiv für die Bluttat. Das Gericht spricht von einem "Strafverfahren wegen eines Ehrenmordversuches". Das Opfer sollte demnach für einen angeblichen Ehebruch mit dem Tod bestraft werden.

"Ich genieße es, ihr beim Sterben zuzusehen“

Strafverfahren wegen eines Ehrenmordversuches
Einer der Angeklagten werden im Gerichtssaal die Handschellen abgenommen. © dpa, Felix Kästle, lix fdt

Die nach islamischem Recht verheiratete 17-Jährige habe sich in einen anderen Mann verliebt. Sie sei zudem schwanger gewesen. Ohne zu wissen, ob von ihrem 17 Jahre älteren Mann oder von dem neuen Freund. Zwei Wochen nach der Bluttat hatte der Vater auf die Scharia verwiesen: "Wenn eine verheiratete Frau eine Beziehung führt und der islamische Richter sie zum Tode verurteilt, dann darf ich nicht Nein sagen", sagte er "Spiegel TV". Das Video löste Empörung aus.

Ebenso wie andere Videos, auf die der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklage verweist. 13 Handyfilme habe der Bruder von Alaa W. während des Mordanschlags gedreht, drei habe er unmittelbar an deren neuen Freund geschickt, einen Flüchtling, der weit jünger ist als Alaas Mann. "Ich genieße es, ihr beim Sterben zuzusehen", sagt der Bruder in einem der Videos; er raucht dabei neben der blutüberströmten Schwester eine Zigarette.

"Sie beschimpften sie als Hure"

Strafverfahren wegen eines Ehrenmordversuches
Einer der Angeklagten wird kurz vor Prozessauftakt in den Gerichtssaal geführt. © dpa, Felix Kästle, lix fdt

Unklar ist bisher, ob die Tat von langer Hand geplant war oder möglicherweise ein plötzlicher Wutausbruch den letzten furchtbaren Tötungsbeschluss auslöste. Die Männer sollen aus der Küche ein Brotmesser mit Wellenschliff geholt und die hilflose Frau damit traktiert haben. Mindestens zwei Mal griff Alaa nach Messerklingen und verletzte sich dabei schwer an den Händen. Laut Anklage haben die Männer dann versucht, ihr den Hals durchzuschneiden. Die Klinge sei am Mundwinkel abgeglitten und habe Alaa W. schwer im Gesicht verletzt. Die Klinge sei abgebrochen, worauf sie ein anderes Messer holten und schließlich noch ein drittes, mit dem sie immer wieder zustachen. Einer der Stiche verletzte Alaas Herzbeutel.

Dann seien die beiden Männer geflohen, "im festen Glauben, die Frau werde nun sterben". Es folgten mehrere Notoperationen. Alaa W. überlebt nur knapp. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter werden wenig später in einem Zug am Bahnhof Schweinfurt in Bayern festgenommen.

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