Mordanschlag auf Ex-Spion Sergej Skripal: OPCW-Experten bestätigen Einsatz von russischem Todes-Gift Nowitschok

Polizeiuntersuchung am Tatort im britischen  Salisbury (Archiv)
Polizeiuntersuchung am Tatort im britischen Salisbury (Archiv)
© REUTERS, HENRY NICHOLLS, SW/mjb

12. April 2018 - 16:21 Uhr

Bericht der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen legt russische Beteiligung an Attentat nahe

Unabhängige Experten haben bestätigt, was Großbritannien bereits unmittelbar nach dem Anschlag behauptete: Beim Attentat auf den früheren russischen Doppelspion Sergej Skripal und seine Tochter Julia Skripal wurde Nervengift verwendet. Dies ergab eine Untersuchung der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW). Ob oder inwieweit Moskau aber an dem Attentat beteiligt ist, belegt die Untersuchung keineswegs.

"Nur Russland hat die Möglichkeiten, Motive und die Vorgeschichte"

ARCHIV - 31.08.2013, Niederlande, Den Haag: Das Logo der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) am Sitz der OPCW. (zu dpa "OPCW schickt Experten ins syrische Duma " am 10.04.2018) Foto: Evert-Jan Daniels/ANP /dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Zentrale der OPCW in Den Haag.
© dpa, Evert-Jan Daniels, pelin sh mda cul pil

Die OPCW äußerte sich nicht dazu, woher das Gift kam und wer daher vermutlich für den Anschlag Anfang März im südenglischen Salisbury verantwortlich ist. Allerdings wurde Nowitschok in der früheren Sowjetunion produziert.

Die Ergebnisse der Analyse in den Labors "bestätigen die Ergebnisse Großbritanniens", teilte die Den Haager Organisation mit. Der Name des Stoffes wird nicht genannt. Name und Struktur des chemischen Stoffes seien allerdings im Bericht aufgeführt, der nichtöffentlich sei.

Der britische Außenminister Boris Johnson nannte das Kind hingegen beim Namen und sagte, der OPCW-Bericht stütze seine Schlussfolgerung. Er bestätige, dass das in Russland entwickelte Nowitschok bei dem Anschlag im März eingesetzt worden sei. Das Ergebnis basiere auf Tests von vier unabhängigen, hoch angesehenen Labors aus aller Welt. Alle kämen zu denselben schlüssigen Ergebnissen. "Es kann keinen Zweifel daran geben, was benutzt wurde und es verbleibt keine alternative Erklärung dafür, wer dafür verantwortlich ist - nur Russland hat die Möglichkeiten, Motive und die Vorgeschichte." Der Kreml müsse nun Antworten geben.

Russland weist Vorwürfe erneut zurück

Tochter und Vater Skripal
Julia und ihr Vater Sergej Skripal.

Die russische Regierung wies die Verdächtigungen erneut zurück. Russland hatte vergeblich gefordert, an der Untersuchung des Anschlags beteiligt zu werden. Andernfalls, so hatte Moskau angedroht, werde es die Ergebnisse der OPCW-Untersuchung nicht akzeptieren.

Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren vor knapp sechs Wochen bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury gefunden worden. Julia Skripal war kürzlich aus dem Krankenhaus entlassen worden und befindet sich nach eigenen Angaben an einem sicheren Ort. Ihr Vater wird weiter in der Klinik behandelt. Er ist seiner Tochter zufolge ernsthaft krank. Auch sie selbst leide noch unter den Folgen der schweren Vergiftung.