Mord in Chemnitz: Festgenommener Iraker war nicht in Deutschland geduldet

Kerzen und Blumen am Tatort des erstochenen Mannes in Chemnitz.
Kerzen und Blumen am Tatort des erstochenen Mannes in Chemnitz.
© REUTERS, HANNIBAL HANSCHKE, ZUZ

30. August 2018 - 23:54 Uhr

Haben die Behörden bei Yousif A. geschlafen?

Der in U-Haft sitzende Iraker Yousif A. (22), einer der beiden Tatverdächtigen im Mordfall Chemnitz, soll bereits vor seiner Ankunft in Deutschland einen Asylantrag in Bulgarien gestellt haben. Das berichten "Welt" und "Nürnberger Nachrichten" unter Berufung auf das Verwaltungsgericht Chemnitz. Somit war der festgenommene Iraker nach Angaben des sächsischen Innenministeriums in Deutschland nicht geduldet. Das Bundesamt für Migration ließ die Rückführung des Mannes jedoch verstreichen.

Bereits 2017 war Asylantrag abgelehnt worden

Damit widersprach das Ministerium anderslautenden Meldungen. Nach den Unterlagen der Landesdirektion Sachsen gebe es noch ein schwebendes Asylverfahren beim Bundesamt für Migration.

Der Iraker habe seit Oktober 2015 in Sachsen gelebt. Den ersten Antrag habe das Bamf im März 2017 als unzulässig abgelehnt. Rechtsmittel gegen diese Entscheidung seien aber erfolgreich gewesen, weshalb es ein neues Verfahren gab.

Am Donnerstag waren Meldungen veröffentlicht worden, wonach die Abschiebung des Irakers schon im Mai 2016 für zulässig erachtet wurde. Das Verwaltungsgericht war am Donnerstagabend nicht mehr erreichbar.

Was war passiert?

Am 26. August 2018 war in Chemnitz ein 35-jähriger Deutscher durch Messerstiche getötet worden. Zwei 33- und 38-Jährige wurden zum Teil schwer verletzt. Mittlerweile wurde einer der Männer aus dem Krankenhaus entlassen. Der dritte Geschädigte befinde sich noch in stationärer Behandlung, schwebe aber nicht in Lebensgefahr, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ein 22 Jahre alter Iraker und ein Syrer (23) sitzen als Tatverdächtige in Untersuchungshaft. 

Am Donnerstag war einer, der an die beiden Verdächtigen verhängte Haftbefehl, im Internet aufgetaucht. Nun kam raus: Das im Internet veröffentlichte Dokument hat offensichtlich ein Dresdner Justizvollzugsbediensteter weitergegeben. Der Mann sei mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert worden, teilte das sächsische Justizministerium am Donnerstag mit.