2019 M02 11 - 18:33 Uhr

Nach gegenseitigen Schuldzuweisungen der drei Angeklagten waren im Prozess zum Mord an einem 27-Jährigen in Aue die Experten am Zug. Mit Details zur Spurensicherung am Tatort und bei der Analyse von DNA-Spuren sollten Sachverständige bei der Verhandlung am Montag am Landgericht Chemnitz Klarheit in den Fall bringen. Ausführlich erläuterten die Fachleute vom Landeskriminalamt in Dresden, wo Spuren gefunden, wie sie gesichert und analysiert wurden.

Seit dem 5. Dezember müssen sich drei Männer vor Gericht wegen gemeinschaftlichen Mordes verantworten. Das Trio soll am 17. April in Aue einen 27 Jahre alten Deutschen getötet haben und dabei mit großer Brutalität vorgegangen sein. Das Opfer erlitt schwerste Gesichts- und Kopfverletzungen und starb an einer Hirnstammprellung und -zertrümmerung. Der Mann wurde in einer rund 1,80 Meter tiefen Grube auf einem ehemaligen Bahngelände gefunden.

Knapp ein Jahr nach der Gewalttat soll das Urteil gesprochen werden. Am 10. April wolle man den Prozess abschließen, sagte die Vorsitzende Richterin Simone Herberger am Montag. Am gleichen Tag sollen auch die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehalten werden.

Zum Auftakt der Verhandlung hatten sich die Angeklagten gegenseitig der Tat beschuldigt. In den von ihren Anwälten verlesenen Erklärungen gaben sie übereinstimmend zu, dass jeder von ihnen das Opfer geschlagen habe. Zugleich erklärten die 22 bis 27 Jahre alten Deutschen, dass sie das Geschehene bereuten.

Der Jüngste gab an, er habe dem Opfer nur eine Lektion erteilen, es aber nicht umbringen wollen. Der 27 Jahre alte Mitangeklagte habe hauptsächlich gehandelt und mehrfach zum Mitmachen aufgefordert. Dieser ließ seinerseits erklären, dass der 22-Jährige "wie im Blutrausch" gewesen sei. Zu Prozessbeginn hatte er noch angegeben, keine Erinnerung an das Tatgeschehen zu haben.

Der dritte, ebenfalls 22 Jahre alte Angeklagte äußerte sich ähnlich, ließ den Umfang der Tatbeteiligung des 27-Jährigen aber offen. "Das Geschehen eskalierte immer weiter", ließ er verlesen. Die beiden Mitangeklagten seien zu dem Opfer in die Grube gestiegen. Der andere 22-Jährige soll mit einer Tür auf den Geschädigten eingeschlagen haben. Ob auch der 27-Jährige, wisse er nicht. Das Opfer sei fürchterlich zugerichtet gewesen. "Das Gesicht war nicht mehr zu erkennen."

Laut der LKA-Sachverständigen hat die als Tatwerkzeug verwendete Holztür ein Gewicht von rund 23 Kilogramm gehabt. Mit ihr wurden den Ermittlungen zufolge mehrfach vom oberen Grubenrand auf den 27-Jährigen eingeschlagen. Die Grube sei 2,13 Meter lang und 1,55 Meter breit gewesen.

Auf dem Boden der Grube habe der Kopf des Opfers "eine massive Eindruckspur" hinterlassen, sagte der Beamte von der Tatortgruppe des LKA. Insgesamt drei Tage hatten er und seine Kollegen die Industriebrache untersucht. "Es waren Unmengen an Spuren, die wir gesichert haben", sagte der Fachmann vor Gericht.

Der DNA-Experte sagte aus, dass die Analysen bis zur ersten Februar-Woche gedauert hatten. An der Tür wurden nach seiner Aussage DNA-Spuren von allen drei Angeklagten festgestellt.

Fortgesetzt wird der Prozess am Landgericht Chemnitz entgegen der bisherigen Planungen erst am 4. März. Ursprünglich war der nächste Verhandlungstag am Mittwoch angesetzt. Dieser Termin sowie der folgende am 15. Februar wurden aufgehoben.

Quelle: DPA