Prozess nach Mord an Tramperin

Bruder von Sophia L.: Geständnis des angeklagten Lkw-Fahrers ist "nicht die Wahrheit"

25. Juli 2019 - 10:46 Uhr

Getötete Tramperin Sophia L. wollte nach Nürnberg

Sophia L. sprach am 14. Juni 2018 einen Lkw-Fahrer an und fragte, ob er sie ein Stück mitnehmen könne. Die 28 Jahre alte Studentin wollte von Leipzig nach Nürnberg trampen. Doch dort kam sie nie an. Mehrere Tage später wurde ihre Leiche in Spanien gefunden. Nun startete in Bayreuth der Prozess gegen den Lastwagenfahrer. Er soll die Frau sexuell missbraucht und getötet haben. Vor Gericht gestand der Lkw-Fahrer die Tat und erklärte, er könne sich an den genauen Ablauf nicht erinnern. Sophias Bruder Andreas L. glaubt dem Angeklagten nicht und hält die Aussage für "eine Märchenstunde aus Tausendundeiner Nacht", wie er im Video erzählt.

Lkw-Fahrer gestand Mord an Tramperin Sophia L., um sich „besser“ zu fühlen

Angeklagter im Mordprozess um tote Tramperin
Der Angeklagte hat im Mordprozess um den gewaltsamen Tod der Tramperin Sophia L. ausgesagt.
© dpa, Daniel Karmann, dka

Am ersten Verhandlungstag äußerte sich der Angeklagte vor Gericht: "Ich habe gedacht, wenn ich gestehe, würde ich mich viel besser fühlen. Aber ich finde keine Ruhe". Er erklärte, dass die Tat ihn auch jetzt über ein Jahr danach noch verfolge. "Ein Jahr ist vergangen, und jeden Tag bin ich gequält", so der Angeklagte. "Ich habe keinen Sinn in meinem Leben mehr."

"Das mag sein, aber seit einem Jahr haben die Angehörigen mehr Leid als sie", antwortete der Richter. Laut Anklageschrift soll der Lastwagenfahrer die 28-Jährige auf der Raststätte Schkeuditzer Kreuz in Sachsen getroffen haben. Er sei auf dem Rückweg nach Marokko gewesen und sagte Sophia L., dass sie bis Lauf in der Nähe von Nürnberg mitfahren könne.

Getötete Tramperin: „Es war viel Blut, sie war tot“

Studentin Sophia L. wurde getötet
Sophia L. wollte nach Bayern trampen, doch sie wurde brutal getötet.

Was dann genau passierte, lässt sich zeitlich und örtlich nicht mehr genau rekonstruieren. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass er irgendwo unterwegs übergriffig wurde. Und Sophia L. sich wehrte. "Ich hab sie geschlagen und ihre Hände gefesselt. Ich wusste nicht, was ich machen soll:  Polizei und Krankenwagen rufen? Dann ist die Nacht gekommen. Sie hat nicht mehr geatmet. Es war viel Blut, sie war tot", erzählte der Angeklagte vor Gericht.

Sophia L. starb an ihren schweren Kopfverletzungen. Der Lastwagenfahrer soll dann weitergefahren sein und die Leiche in Spanien abgelegt haben. Dort wurde er dann wenig später auch festgenommen. Nun muss er sich vor Gericht für die Gewalttat verantworten.

Angeklagter behauptet, er wollte Sophia L. nicht töten

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 42-Jährige die Frau ermordete, um ein Sexualdelikt zu vertuschen. Der Angeklagte behauptet, er hätte Sophia L. mit einem Eisenrohr auf den Kopf geschlagen, weil die beiden über einen angeblichen Diebstahl in Streit geraten wären. Er habe sie aber nicht töten wollen.

Ein Urteil in dem Prozess wird Mitte September erwartet. "Ich bitte Sie, Sie können mich zum Tod verurteilen, dann hätte ich das hier hinter mir", sagte er vor Gericht. "Bitte geben sie meine Organe jemanden der sie braucht". Dieser Bitte wird das Gericht im Bayreuth sicher nicht nachkommen, denn in Deutschland gibt es keine Todesstrafe mehr.