Mord an Susanna F. († 14): Ein Tatverdächtiger wieder freigelassen

Traurige Gewissheit: 14-jährige Susanna aus Mainz ist tot

Keine Hoffnung mehr: Sie ist tot. Die 14-jährige Susanna wurde Opfer eines grausamen Verbrechens. Zunächst waren zwei Männer dringend tatverdächtig, die Schülerin aus Mainz gemeinsam vergewaltigt und umgebracht zu haben. Bei den Männern handelt es sich um den 20-jährigen Ali Bashar sowie einen 35 Jahre alten Mann. Bashar ist in den Irak geflohen. Ein weiterer Mann, ein 35-jähriger türkischer Staatsbürger, wurde zunächst festgenommen - ist nun aber wieder auf freiem Fuß. Gegen ihn bestzeht kein dringender Tatverdacht mehr.

Chronologie von Susanna F.s Verschwinden:

German police stand at the area where they found a body near Wiesbaden-Erbenheim, Germany, June 6, 2018.     REUTERS/Thorsten Wagner
Die Polizei bei der Spurensuche in Wiesbaden.
joh, REUTERS, THORSTEN WAGNER

Am Donnerstag machte der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller Angaben zum zeitlichen Ablauf des Mordfalls aus Sicht der Ermittler.

Susanna war seit dem 22. Mai 2018 vermisst worden. Am Abend ihres Verschwindens erhielt ihre Mutter noch eine Whatsapp-Nachricht von Susannas Telefonummer: "Mama, such nicht nach mir. Ich bin mit meinem Freund nach Paris gefahren. Ich komme vielleicht in zwei, drei Wochen." Doch Mutter Diana F. war sofort besorgt: "Das ist keine Schreibart von meiner Tochter und ich weiß nicht, ob es in ihrem Einverständnis geschrieben wurde." Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler wird sie abends oder in der Nacht vergewaltigt und dann getötet.

Wesentlich zur Aufklärung beigetragen haben die Aussagen eines 13-jährigen Flüchtlingsjungen, so ein Polizeisprecher. Der Verdächtige Ali Bashar soll dem Jungen von seiner Tat erzählt haben. Bei einer Pressenkonferenz gaben Staatsanwaltschaft und Polizei in Wiesbaden weitere Einzelheiten bekannt. Demnach steht fest, dass das Mädchen am Abend des 22. und in der Nacht zum 23. Mai stundenlang vergewaltigt und dann erdrosselt wurde. Der leitende Ermittler sprach von einem "besonders abstoßenden Verbrechen." Unklar ist, welchen Anteil an dem Verbrechen welchem Verdächtigen zugeordnet werden kann.

Tatverdächtiger wieder freigelassen

Ali Bashar
Einer der Tatverdächtigen ist Ali Bashar, nach dem gefahndet wird. Er hält sich vermutlich im Irak auf.
Cord Eickhoff, RTL, rtli

Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, dass zwei Männer Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet haben und nahmen den 35-jährigen Flüchtling fest. Er wurde aber am 7. Juni aus der Haft entlassen. Laut Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn besteht nach neuesten Ermittlungserkenntnissen kein dringender Tatverdacht mehr gegen den 35-jährigen Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit.

Ali Bashar hingegen ist weiterhin tatverdächtig. Er ist polizeibekannt und wurde schon häufiger mit Straftaten wie Körperverletzung und Vergewaltigung in Verbindung gebracht, allerdings kam es bisher nicht zu Verurteilungen. Ein Asylantrag wurde bereits 2016 abgelehnt, allerdings läuft eine Klage dagegen und Bashar hat ein vorläufiges Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Die Familie aus Vater, Mutter und sechs Kindern lebte nach Angaben der Ermittler zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim. Den Ermittlungen zufolge hatte sich Susanna häufiger in der Flüchtlingsunterkunft aufgehalten. Möglicherweise sei sie mit Alis jüngerem Bruder befreundet gewesen, die beiden hätten sich gekannt.

Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler nun durch die Obduktion der Leiche der 14-Jährigen und der Auswertung von DNA-Spuren.

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Chronologie von Susannas Verschwinden bis zu ihrem Tod:

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Susanna aus Mainz ist tot. Die 14-Jährige wurde ermordet.

Am 23. Mai meldete ihre Mutter Susanna am Wohnort in Mainz als vermisst und alarmierte auch die Polizei Wiesbaden, da Susanna dort zuletzt in der Innenstadt unterwegs gewesen ist.

29. Mai: Diana F. bekam von einer Bekannten ihrer Tochter eine Mitteilung, dass Susanna tot sei und ihre Leiche an einem Bahngleis liege. Daraufhin wandte sie sich an die Polizei in Mainz und Wiesbaden. Doch die Beamten konnten die Hinweisgeberin nicht befragen, weil sie im Kurzurlaub mit ihrer Mutter ist.

30. Mai bis 2. Juni: Die Polizei suchte mit Hubschraubern nach der Vermissten, fand nach eigenen Angaben aber nichts. Währenddessen flog der Tatverdächtige Ali Bashar mit seiner Familie in den Irak.

07.06.2018, Hessen, Wiesbaden: Journalisten fotografieren eine Stellwand mit dem polizeilichen Fahndungsfoto des Gesuchten Ali Bashar. Der 20-jährige Iraker gilt im Fall des gewaltsamen Todes von Susanna F. als dringend tatverdächtig und hat sich off
Das Interesse der Öffentlichkeit an dem Fall ist groß. Hier wird die Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft vorbereitet.
brx tba, dpa, Boris Roessler

1. Juni: Die Familie des Tatverdächtigen buchte offenbar acht Flüge über ein Internetportal von Düsseldorf nach Erbil (Irak) über Istanbul für den 2. Juni um 14.35 Uhr. Kurze Zeit später soll Familie Bashar umgebucht haben, auf einen Flug für den 2. Juni um 19.10 Uhr - aber auf einen anderen Namen als in ihren deutschen Aufenthalts-Papieren.

2. Juni: Die Ausreise vom Düsseldorfer Flughafen schien mangels Pässen mit sogenannten 'Laissez-passer'-Papieren erfolgt zu sein - ausgestellt offenbar vom Frankfurter Konsulat in arabischer Sprache. Die Lichtbilder passten wohl zu den reisenden Personen, aber ein Ticket-Abgleich mit den Aufenthalts-Papieren soll nicht stattgefunden haben.

3. Juni: Gegen 18.30 Uhr meldete sich ein 13-Jähriger, der in derselben Flüchtlingsunterkunft wie der verdächtige 20-jährige Ali Bashar wohnt. Er nannte den möglichen Tatort und Ali Bashar als möglichen Täter.

4. Juni bis 6. Juni: Zwischen 300 und 400 Polizisten sind mit dem Vermisstenfall beschäftigt. Am Mittwochnachmittag des 6. Junis wurde eine weibliche Leiche in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden-Erbenheim gefunden - in unmittelbarer Nähe einer eingleisigen Bahnstrecke mit dichtem Gebüsch an den Seiten. Am Mittwochabend wurde der verdächtige 35-jährige Mann türkischer Staatsbürgerschaft festgenommen. Er ist inzwischen wieder frei.