Mord an Susanna (†14) wirft viele Fragen auf: Warum war Ali Bashar überhaupt noch frei, haben die Behörden versagt?

08. Juni 2018 - 13:27 Uhr

Ali Bashar im Irak verhaftet

Der brutale Mord an der 14-jährigen Susanna aus Wiesbaden macht fassungslos und betroffen. Ein 20-Jähriger soll das Mädchen vergewaltigt und anschließend umgebracht haben, um seine Tat zu vertuschen. Der Fall wirft Fragen auf, viele Menschen sind der Ansicht, die Behörden hätten versagt. Denn der dringend tatverdächtige Ali Bashar ist ein abgelehnter Asylbewerber und war in seine Heimat Irak geflohen, wo er in dem frühen Morgenstunden des Freitags verhaftet wurde.

Verdächtiger war polizeibekannt

07.06.2018, Hessen, Wiesbaden: Ein Polizist befestigt eine Stellwand mit dem polizeilichen Fahndungsfoto des Gesuchten Ali Bashar. Der 20-jährige Iraker gilt im Fall des gewaltsamen Todes von Susanna F. als dringend tatverdächtig und hat sich offenba
Ein Polizist befestigt eine Stellwand mit dem polizeilichen Fahndungsfoto des Gesuchten Ali Bashar.
© dpa, Boris Roessler, brx tba

Am Tag nach Bekanntwerden des brutalen Mordes an der 14-jährigen Schülerin aus Mainz lässt sich mit Gewissheit sagen, dass dieser Fall die Öffentlichkeit noch lange beschäftigen wird. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft laufen auf Hochtouren. Es gibt einen Verdächtigen, der geflohen ist: Ali Bashar, 20 Jahre alt und abgelehnter Asylbewerber aus dem Irak. Der nur noch in Deutschland sein durfte, weil er gegen seine Abschiebung geklagt hatte und daher ein vorläufiges Aufenthaltsrecht besaß.

Bashar war Donnerstag vergangener Woche mit seiner gesamten Familie überhastet abgereist. Dies hatte im Nachhinein Diskussionen ausgelöst, allerdings kann den Behörden daraus kein Vorwurf gemacht werden. So stellte die Bundespolizei klar: "Die vorgelegten Dokumente waren echt, gültig und berechtigten zur Ausreise. Die Lichtbilder stimmten mit den Personen überein. Am Tag der Ausreise bestand gegen den Beschuldigten keine Fahndungsnotierung. Erst zwei Tage später wurde er durch die zuständigen Behörden zur Fahndung ausgeschrieben." Ernst Walter, Vorsitzender der Deutschen Bundespolizeigewerkschaft, sagte der 'Rheinischen Post': "Offensichtlich hat die Familie unter falschem Namen Asylantrag in Deutschland gestellt. Die Ausreisedokumente haben sie dann bei ihrer Botschaft vermutlich mit ihren richtigen Namen beantragt."

Was ebenfalls viele Menschen irritiert: Warum war Ali Bashar auf freiem Fuß? "Man fragt sich, warum der Tatverdächtige, nachdem er bereits derart gewalttätig polizeilich in Erscheinung getreten war, nicht längst in Untersuchungshaft war?", so beispielsweise CDU-Innenpolitiker Armin Schuster in der 'Neuen Osnabrücker Zeitung'. Denn der 20-Jährige war bereits mehrfach polizeilich aufgefallen und auch mit der Vergewaltigung eines Kindes in Verbindung gebracht worden.

Schwere Vorwürfe, aber keine Gründe für eine Haft

08.06.2018, Rheinland-Pfalz, Mainz: "Spuren im Sand verwehen, Spuren im Herzen bleiben" steht auf einem Schild im Flur des Hauses, in dem die Mutter der getöteten Susanna F. lebt. Die 14-jährige wurde Opfer eines Sexualdeliktes. Der mutmaßliche Täter
Todesfall Susanna
© dpa, Boris Roessler, brx tba

Allerdings sagte die Polizei bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Staatsanwaltschaft in Wiesbaden selbst: "Es gab keinen Grund für eine Inhaftierung." Die Taten, die Bashar vorgeworfen werden, sind entweder nicht bestraft worden oder das Verfahren läuft noch. Die Vorwürfe im Einzelnen: Er soll gemeinsam mit anderen einen Mann zusammengeschlagen haben – diese Tat konnte nicht aufgeklärt werden, weil das Opfer sich weigerte, Angaben zu machen. Bei einem Überfall mit Raub, den Bashar begangen haben soll, ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Im Fall einer Polizistin, die er angerempelt und bespuckt haben soll, kam es nicht zu einer Verurteilung. Das gilt auch für das Tragen eines sogenannten Einhandmessers, mit dem Bashar erwischt wurde.

Der Mann steht zudem im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Vergewaltigung einer Elfjährigen. Das Kind lebt in derselben Flüchtlingseinrichtung wie der Verdächtige. Laut Polizei offenbarte sie sich ihrer Schwester und sagte, ein Mann namens Ali habe sie vergewaltigt. Somit zählt Bashar zum Kreis der Verdächtigen, ebenso wie drei weitere Männer des Namens Ali in der Einrichtung auch. In diesem Fall gibt es derzeit keine weiteren Erkenntnisse.

"Das zeigt auf, dass dieser Mann im letzten Jahr unauffällig war, aber ab Februar uns intensiver beschäftigte, ohne dass wir aber - und das will ich an dieser Stelle herausstellen - einen Haftgrund für eine Inhaftierung gehabt haben", sagte der Wiesbadener Polizeisprecher Stefan Müller.

Parteien und Politiker versuchen unterdessen, Kapital aus dem furchtbaren Verbrechen zu schlagen. Besonders dreist ging die AfD zu Werke, die den gesamten restlichen Bundestag mit einer gezielten Provokation gegen sich aufbrachte.