Mord an Neonazi-Vater: 13-Jähriger muss sieben Jahre in Haft

US-Gericht hat geurteilt: 13-Jähriger muss wegen Mordes an seinem Vater mindestens sieben Jahre in Jugendhaft.
US-Gericht hat geurteilt: 13-Jähriger muss wegen Mordes an seinem Vater mindestens sieben Jahre in Jugendhaft.
© deutsche presse agentur

01. November 2013 - 15:29 Uhr

Eine Gefahr für die Öffentlichkeit

Im Alter von zehn Jahren erschoss Joseph Hall aus Kalifornien seinen schlafenden Vater Jeffrey mit dessen Revolver. Jeffrey misshandelte den Jungen jahrelang, war ein bekannter Neonazi-Anführer. Lange wurde über das Strafmaß gestritten, jetzt urteilte das Gericht: Der heute 13-jährige Joseph muss mindestens sieben Jahre in Jugendhaft. Doch welche Strafe ist in diesem Fall angemessen?

Es ist der 1. Mai 2011. Joseph ist zehn Jahre alt, hält einen Revolver an den Kopf seines schlafenden Vaters, dann geht alles ganz schnell: Er drückt ab, Jeffrey Hall ist sofort tot. Schon als kleines Kind wurde John von seinem Vater regelmäßig misshandelt. In ihrem Haus fanden immer wieder Neonazi-Treffen statt. John wuchs in einem Umfeld der Gewalt auf, hat nie gelernt zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden, so argumentieren seine Verteidiger vor Gericht.

Schon im Januar 2013 wurde John wegen Mordes verurteilt. Doch welches Strafmaß für einen 13-Jährigen, der an einer Lernschwäche leidet, angemessen ist, darüber wurde monatelang gestritten.

Streit über Strafmaß

Jetzt steht fest: John muss für mindestens sieben Jahre in Jugendhaft. Frühestens im Alter von 20 kann er eine Freilassung auf Bewährung beantragen. Maximal bis zum 23. Lebensjahr müsse er in Haft bleiben, so urteilte das Gericht im kalifornischen Riverside.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte, der Täter sei extrem gewaltbereit und habe dies auch nach seiner Festnahme vor rund zwei Jahren gezeigt. Außerdem hätte John seinen Vater auch erschossen, wenn dieser Mitglied einer Friedens- und Freiheitspartei gewesen wäre. Sie gab sich überzeugt, dass der damals Zehnjährige die Tat beging, weil sein Vater sich von seiner Partnerin trennen wollte und das alleinige Sorgerecht haben wollte. Richterin Jean Pfeiffer Leonard gab dem statt: Der Junge sei wegen seiner Gewalttätigkeit "eine Gefahr für die Öffentlichkeit".

Staatsanwalt Michael Soccio bezeichnete den Fall als den schwierigsten seiner gesamten Karriere, begrüßte aber das Urteil. Er bat den Richter um das Recht, den Jungen in Haft besuchen zu dürfen, was ihm auch gewährt wurde. "Meine Hoffnung ist, dass er sich seiner Tat stellen und damit umgehen kann, und in der Lage ist, so unbeschädigt wie möglich herauszukommen."

Zwar ist unstrittig, dass Joseph seinen Vater erschossen hat. Seine Anwältin sieht den 13-Jährigen dennoch als Opfer der gewalttätigen Umgebung, in der er aufwuchs. "Wir halten das für ein komplettes Fehlurteil", sagte Verteidigerin Punam Grewal dem TV-Sender 'CBS'. Die Probleme des Jungen angesichts "entsetzlicher" jahrelanger Misshandlungen durch seinen Vater seien unberücksichtigt geblieben. Statt Jugendhaft hatte sie vorgeschlagen, den 13-Jährigen in einer sicheren, privaten Einrichtung unterzubringen, die bessere therapeutische Möglichkeiten biete. Sie werde Berufung einlegen, erklärte Grewal.

Der Prozess sorgte in den USA für Aufregung. Nicht nur, weil ein Zehnjähriger so kaltblütig getötet hat, sondern auch weil es sich bei dem Opfer um einen der führenden Neonazis in Amerika handelte und viele Prozessbeobachter glauben, der Junge habe richtig gehandelt.