Mord an Enrico W. (15) aus Korbach (Hessen): Mittäter berichtet von grauenhaften sadistischen Szenen

Kassel: Außenaufnahme der Justizbehörden.
In Kassel müssen sich die beiden 19-Jährigen wegen gemeinschaftlichen Mordes aus niedrigen Beweggründen verantworten.
spf nic fie, dpa, Swen Pförtner

Enrico W. mit sechs Messerstichen getötet

Diese Details machen sprachlos: Nicht nur, dass zwei 19-Jährige Enrico W. (15) brutal mit sechs Messerstichen ermordet haben sollen. Sie sollen auch sadistische Spielchen mit dem 15-Jährigen und seinem Freund getrieben haben. Der Prozess in Kassel liefert Einblicke in die wirre Gedankenwelt der mutmaßlichen Täter.

Messerstecher schweigt vor Gericht

Als "durchgeknallt" bezeichnete der eine 19-Jährige seinen Mitangeklagten und berichtete von sadistischen Spielen mit Blut. Er selbst habe das Opfer festgehalten, aber nicht zugestochen. Der ebenfalls 19 Jahre alte Mitangeklagte schwieg beim Prozessauftakt vor der Jugendkammer des Landgerichts Kassel (Nordhessen) zu der Tat, die sich im September 2017 im hessischen Korbach ereignete. Beide müssen sich jetzt wegen gemeinschaftlichen Mordes aus niedrigen Beweggründen verantworten.

Bizarre Details

Die beiden Angeklagten sollen betrunken auf zwei andere Jugendliche – 14 und 15 Jahre alt – getroffen sein, sie kannten sich. Plötzlich habe sich der 19-Jährige geritzt und erklärt, dass er sich eine Seele holen wolle, so sein mutmaßlicher Komplize vor Gericht. Mit Blut habe er seinen Namen auf ein Blatt geschrieben, die Jüngeren sollten das nachmachen. Als diese sich weigerten, kam es zum Äußersten: Während der geständige Angeklagte Enrico W. festhielt, soll der andere zugestochen haben – insgesamt sechsmal. Das Opfer starb an den Verletzungen. Währenddessen habe er den 14-Jährigen aufgefordert, das blutige Messer abzulecken.

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Gefängnis oder psychiatrisches Krankenhaus?

Der mutmaßliche Messerstecher blickt auf eine lange kriminelle Vergangenheit zurück: Er gestand, mit einer geladenen Schreckschusspistole in ein Geschäft gegangen zu sein. Außerdem habe er ohne ihr Wissen Geld vom Konto seiner Oma abgehoben und er sei mit einem Auto ohne Führerschein vor der Polizei geflohen. Die Fahrt endete mit einem Crash. Auch deswegen muss er sich nun vor Gericht verantworten. Bei dem Prozess wird es auch darum gehen, ob er bei einem Schuldspruch in ein Gefängnis oder ein psychiatrisches Krankenhaus muss. Laut Anklage leitet er an der Borderline-Krankheit, einer psychischen Störung. Ein Urteil wird frühestens Anfang Juni erwartet.

Quelle: dpa, RTL.de