Moody's warnt - Deutschland kontert Rating-Agentur

26. Juli 2012 - 15:29 Uhr

Finanzministerium hat nur wenig Verständnis

Das Finanzministerium und sein Chef Wolfgang Schäuble (CDU) können der Entscheidung der Rating-Agentur Moody's nur wenig Verständnis entgegen bringen. Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands, der Niederlande und Luxemburgs auf "negativ" herabgestuft. Grund dafür seien mögliche weitere, hohe finanzielle Kosten im Gefolge der Euro-Krise für Griechenland, Spanien und Italien, erklärte die Agentur.

Rating-Agentur, Moody's, Euro-Krise, Deutschland
Moody's senkt Ausblick Deutschlands auf negativ – Bestnote 'AAA' ist in Gefahr: Das Bundesfinanzministerium hat wenig Verständnis.
© dpa, Oliver Berg

Solche Kosten müssten dann vor allem wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone schultern, hieß es. Bei der Kreditwürdigkeit als solcher behielt Deutschland allerdings die Bestnote, die es auch bei den anderen beiden großen Ratingagenturen innehat.

Schäubles Ministerium reagierte umgehend und betonte, Deutschland bleibe weiter Stabilitätsanker in der Euro-Zone. Man befinde sich auch weiter in einer sehr soliden wirtschaftlichen und finanziellen Lage. Moody's habe vor allem die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund gestellt, "während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt bleiben", stellte das Ministerium klar und kritisierte die Entscheidung damit indirekt als einseitig. Darüber hinaus seien die genannten Risiken in der Eurozone nicht neu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte mit demonstrativer Gelassenheit auf die Zweifel von Moody's. "Die Bundesregierung nimmt das zur Kenntnis. Die Einschätzung betrifft ein Land, von dem man sich Hilfe erhofft", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. "Die Bundeskanzlerin hat mehrfach betont, dass die Kraft Deutschlands nicht unbegrenzt ist."

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gerät unterdessen wegen seiner Aussagen zum Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone immer schärfer in die Kritik. Die SPD führte die Zweifel der Ratingagentur Moody's an Deutschlands Top-Rating auch auf das "unverantwortliche Gequatsche des Vizekanzlers" zurück. SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider legte Kanzlerin Angela Merkel deshalb sogar den Rausschmiss Röslers nahe.

"An den internationalen Finanzmärkten ist das Vertrauen in Deutschland hoch"

Moody's verwies im Falle Deutschland aber auch auf die "Verwundbarkeit des Bankensystems". Die deutschen Kreditinstitute seien stark in den Problemstaaten engagiert und könnten Rückschläge angesichts ihrer mauen Gewinne nur schlecht abfedern. Auch diese Einschätzung teilt das Finanzministerium nicht. Die Kapitalisierung des Bankensektors habe sich deutlich verbessert. "Auch an den internationalen Finanzmärkten ist das Vertrauen in Deutschland hoch; dies spiegelt sich in den niedrigen Refinanzierungskosten deutscher Anleihen wider", hieß es in der Stellungnahme.

Auch Luxemburgs Premierminister und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat nach der Entscheidung von Moody's das Bekenntnis zur Stabilität der Eurozone "als Ganzes" bekräftigt. In einer Stellungnahme zum negativen Ausblick für die Kreditwürdigkeit der drei Länder hob Juncker hervor, dass die US-Ratingagentur die erstklassige Benotung dieser Euroländer bestätigt habe. Und diese wiederum beruhe auf einer gesunden Wirtschaftsbasis, die auch weiterhin Bestand habe. "Vor diesem Hintergrund bekräftigen wir unser starkes Bekenntnis, die Stabilität der Eurozone als Ganzes zu erhalten", sagte Juncker.

Die Senkung des Ausblicks für die Kreditwürdigkeit Deutschlands hat an den Börsen bislang keinen großen Eindruck hinterlassen. Der Euro notierte mit 1,2128 Dollar über seinem Vortagesschluss. "Moody's Statement hat grundsätzlich Altbekanntes verkündet und so hielt sich auch die unmittelbare Reaktion mit einer Bewegung von 1,2140 auf 1,2109 in Grenzen", schrieb Commerzbank-Analystin Carolin Hecht.

Unterdessen hat der drohende Entzug der Top-Bonität Verkäufe bei deutschen Staatsanleihen ausgelöst. Der Bund-Future verlor 71 Ticks auf 144,84 Punkte. Im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 1,244 Prozent, nachdem sie am Vortag auf ein Rekordtief von 1,126 Prozent gefallen war.