Monstersturm 'Sandy' wütet an US-Ostküste

31. Oktober 2012 - 10:06 Uhr

+++ Dammbruch in New Jersey +++ U-Bahnen unter Wasser +++ Millionen ohne Strom +++ Kinder erschlagen +++

Alptraum-Nacht an der US-Ostküste: Wirbelsturm 'Sandy' ist mit voller Wucht auf das Festland geprallt. Mindestens 16 Menschen starben, darunter mehrere Kinder. In vielen Küstenabschnitten kam es zu katastrophenartigen Zuständen mit sintflutartigen Regenfällen und Überflutungen. Millionen Menschen sind ohne Strom. In New York setzten Fluten viele U-Bahn-Schächte unter Wasser. Erste Schätzungen gehen von Schäden bis zu 20 Milliarden US-Dollar (15,5 Milliarden Euro) aus.

Sandy USA Sturm New York
Solch einen Sturm haben die New Yorker noch nicht erlebt. In der US-Metropole strömte das Hochwasser auch in die U-Bahn-Schächte.
© REUTERS, TWITTER

Im Bundesstaat New Jersey brach CNN zufolge ein Damm. Hunderte Menschen wurden dort in Sicherheit gebracht. In New York hielten Brände die Einsatzkräfte zeitweise in Atem. Mehr als 50 Häuser wurden im Bezirk Queens von den Flammen zerstört, wie die New Yorker Feuerwehr über Twitter mitteilte.

Mit Windstärken von 130 Kilometern pro Stunde und starkem Regen traf das Auge von Zyklon 'Sandy' am Montagabend (Ortszeit, gegen 01.00 Uhr MEZ) im Süden des Bundesstaats New Jersey in der Nähe von Atlantic City auf das Festland. Das Nationale Hurrikan-Zentrum stufte den Sturm zwar als post-tropischen Wirbelsturm ein. Das machte ihn aber nicht weniger gefährlich: Der Sturm gilt auch wegen seiner großen Ausdehnung als einer der schwersten in der Geschichte der USA. Er erstreckt sich von South Carolina bis zur kanadischen Grenze.

In New York stiegen die Pegelstände auf Rekordhöhen. Einige Stadtteile wurden überflutet. In Manhattan wurden 19 Arbeiter des Stromkonzerns Con Edison von den steigenden Wassermassen in einem Kraftwerk eingeschlossen. Bäume stürzten um und rissen Stromleitungen nieder. Die Behörden evakuierten zudem die Umgebung der Baustelle eines 90-stöckigen Wolkenkratzers in der Nähe des Central Parks: Nachdem die Spitze eines riesigen Krans zusammenbrach, bestand die Gefahr, dass die ganze Maschine einstürzen könnte.

Heftige Schneefälle befürchtet

Im Atomkraftwerk Oyster Creek südlich von New York wurde wegen eines bedrohlich ansteigenden Wasserspiegels Alarm ausgelöst, teilte die US-Atomaufsichtsbehörde NRC mit. Das Kraftwerk im Bundesstaat New Jersey sei zu dem Zeitpunkt bereits abgeschaltet gewesen. Wind, Sturmflut und Regen hätten das Wasser zunächst stark anschwellen lassen. In den folgenden Stunden sollte es aber rasch ablaufen, hieß es. Oyster Creek ist seit 1969 am Netz und das älteste laufende Atomkraftwerk der USA.

In den Küstenstädten brachten sich Hunderttausende Anwohner in Sicherheit. Tausende Geschäfte bleiben auch heute geschlossen. Busse und Bahnen blieben vielerorts schon seit Sonntagabend in den Depots. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen. Die Börsen an der Wall Street machten erstmals seit 27 Jahren wetterbedingt dicht. Zuletzt war der Handel nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gestoppt worden.

Der Sturm wirkte sich auch auf den Endspurt zur US-Wahl am 6. November aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten mehrere Termine ab. Obama kehrte von einer Wahlkampftour in Florida nach Washington zurück und rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, den Anweisungen der Behörden zu folgen. "Dies wird ein großer und mächtiger Sturm", warnte er im Weißen Haus. Er machte aber auch Mut: "Wir werden das zusammen überstehen." Obama rief für Washington und New York sowie für die Bundesstaaten Maryland, Massachusetts und Delaware den Notstand aus.

Bei einer dramatischen Rettungsaktion brachten zwei Hubschrauber der US-Küstenwache 14 Besatzungsmitglieder des Filmschiffs 'Bounty' in Sicherheit. Eine Stunden später geborgene Frau starb. Der Kapitän des Schiffes wurde zunächst weiter vermisst. Der aus dem Hollywood-Klassiker 'Die Meuterei auf der Bounty' von 1962 bekannte Großsegler war etwa 150 Kilometer südöstlich von North Carolina in Seenot geraten und aufgegeben worden.

'Sandy' hat auf dem Weg durch die Karibik bereits mehr als 65 Menschen in den Tod gerissen. Die Wetterbehörde sagt ein Erstarken des Sturms, Böen in Hurrikan-Stärke an der Küste und heftige Schneefälle in den Appalachen voraus. Neun Bundesstaaten riefen den Notstand aus. Insgesamt dürften rund 50 Millionen Amerikaner von dem Sturm betroffen sein. Er dürfte nach Nordwesten weiter ziehen und auch über die Großstädte Washington, Baltimore und Philadelphia fegen.