Monstersturm 'Sandy': Vier-Meter-Welle hinterlässt Chaos in New York

10. Februar 2016 - 19:03 Uhr

+++ Dammbruch in New Jersey +++ U-Bahnen unter Wasser +++ Millionen ohne Strom +++ 17 Tote +++

Der Wirbelsturm 'Sandy' ist mit voller Wucht über die Ostküste der USA gefegt und hat Teile der Millionenstadt New York mit einer mehr als vier Meter hohen Flutwelle überschwemmt. Die Wassermassen fluteten U-Bahnschächte und Straßentunnel, langsam gehen die Fluten aber wieder zurück.

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Im Stadtteil Breezy Point, New Yorker Stadtteil Queens, wurden bei Bränden mehr als 50 Häuser zerstört.
© Reuters, SHANNON STAPLETON

In weiten Teilen der Stadt herrscht wegen Stromausfällen Dunkelheit. Mindestens 17 Menschen starben, darunter mehrere Kinder. Das Unwetter wütete in einem riesigen Gebiet von South Carolina bis zur kanadischen Grenze im Norden.

Im Bundesstaat New Jersey brach CNN zufolge ein Damm. Hunderte Menschen wurden dort in Sicherheit gebracht. Im Stadtteil Breezy Point im Bezirk Queens kämpften mehr als 170 Feuerwehrleute gegen einen Brand, der über 50 Häuser zerstörte. Das Krankenhaus der New York University musste evakuiert werden, weil Notstromaggregate versagten. In Manhattan stürzte auf einer Baustelle eines Wohnhochhauses ein riesiger Kran teilweise ein. Wegen des starken Windes befürchteten die Behörden den kompletten Zusammenbruch und brachten Anwohner in Sicherheit.

'Sandy' traf am Montagabend (Ortszeit, 1.00 Uhr MEZ) mit großer Kraft nahe des Ferienortes Atlantic City in New Jersey auf die Küste. Meteorologen maßen Windgeschwindigkeiten von 145 Kilometern in der Stunde. "Das ist ein Sturm, der hoffentlich nur einmal im Leben kommt", sagte der Meteorologe Jeffrey Tongue.

Nach den verheerenden Sturmschäden an der Ostküste der USA zieht der Hurrikan weiter in Richtung Norden. Dabei schwäche sich der Sturm nun langsam ab. Doch es gebe nach wie vor Windgeschwindigkeiten von knapp 100 Stundenkilometern, berichtete ein Meteorologe des TV-Senders CNN. In den Höhenlagen der Appalachen führte das Wetterphänomen sogar zu Schneefällen.

Die Stadt New York hatte besonderes Pech, weil dort das gewöhnliche Gezeitenhochwasser mit der Flutwelle des Sturms und dem besonders starken Wind zusammentraf. Das öffentliche Leben kam in der Region zum Erliegen. Die New Yorker Aktienbörsen bleiben auch heute geschlossen.

Heftige Schneefälle im Landesinnern

Der Nahverkehr kam bereits am Montag zum Erliegen. Die Verkehrsbehörde MTA erklärte, es könne bis zu vier Tage dauern, bis überflutete Tunnel wieder trockengelegt seien. "Das ist die größte Herausforderung für unsere Angestellten seit 108 Jahren", erklärte MTA-Chef Joseph Lhota.

Wegen des Sturmes müssen derzeit 6,8 Millionen Menschen ohne Strom ausharren. In New York etwa fielen viele Bäume auf Stromleitungen. Zudem hatte der Energieversorger Con Edison mit Wasser zu kämpfen, das unterirdische Systeme lahmlegte. Hunderttausende waren allein in der Stadt von Stromausfällen betroffen.

Im Atomkraftwerk Oyster Creek in New Jersey wurde nach Behördenangaben wegen des Hochwassers Alarm ausgelöst. Sollte das Wasser weiter steigen, könnte das Kraftwerk gezwungen sein, Notwasserreserven für die Kühlung von abgebrannten Brennstäben zu nutzen, teilte die Atomaufsichtsbehörde mit. Bei dem Alarm in New Jersey handelt es sich nach Behördenangaben aber um die zweitniedrigste von insgesamt vier Warnstufen. Das Kraftwerk wird vom Energieversorger Exelon betrieben.

Der Sturm wirkte sich auch auf den Endspurt zur US-Wahl am 6. November aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten mehrere Termine ab. Obama kehrte von einer Wahlkampftour in Florida nach Washington zurück und rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, den Anweisungen der Behörden zu folgen. Er machte aber auch Mut: "Wir werden das zusammen überstehen."

Wegen seiner Ausdehnung über Hunderte von Kilometern ist 'Sandy' einer der größten Wirbelstürme, die jemals in den USA registriert wurden. Betroffen waren auch die Großstädte Baltimore, Philadelphia und Washington. In den Appalachen - einem Mittelgebirge weiter im Landesinnern - setzten heftige Schneefälle ein. Auf dem Weg von 'Sandy' durch die Karibik waren bereits 66 Menschen ums Leben gekommen.