Monstersturm 'Sandy': Notstand im Osten der USA - New York droht schwere Sturmflut

10. Februar 2016 - 19:00 Uhr

375.000 New Yorker müssen ihre Häuser verlassen

Die US-Ostküste rüstet sich für einen Jahrhundertsturm und deshalb geht momentan nichts mehr in den großen Metropolen wie New York. Der befürchtete Monstersturm 'Sandy', der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern auf die Stadt zurast, hat das öffentliche Leben lahmgelegt und eine seltsam-bedrohliche Ruhe macht sich breit.

Sturm Sandy, USA, Hurrikan
Das öffentliche Leben in New York steht still. U-Bahnen, Schulen, die Börse, alles bleibt geschlossen.
© REUTERS, CARLO ALLEGRI

Das Auge des Wirbelsturms soll nach Angaben des 'National Hurricane Centers' am Montagabend oder in der Nacht (Ortszeit) die Küste erreichen.

Besonders gefährlich dürfte die Sturmflut werden, da durch die extrem große Ausdehnung des Sturmfeldes viel Wasser bewegt wird. Außerdem wird 'Sandy' die Küste nicht streifen, sondern im Winkel von 90 Grad frontal erwischen. Schon jetzt peitscht der Sturm den Atlantik an den Stränden der Ostküste auf.

"Das ganze System ist stillgelegt", steht in dicker roter Schrift auf Bildschirmen an allen 468 New Yorker U-Bahnhöfen. Auch Busse, Fähren und Regionalzüge waren schon am Sonntagabend vorsorglich in die Depots gebracht worden. Die Vereinten Nationen, die Börse an der Wall Street, Schulen, Universitäten, Theater, Opern sowie viele Büros und Geschäfte sollten am Montag geschlossen bleiben. Neben starkem Regen und Schneefällen könnten große Teile Manhattans überschwemmt werden.

Auch Washington gleicht einer Geisterstadt. Regierungsgebäude und Schulen blieben am Montagmorgen geschlossen. Busse und Bahnen fuhren nicht. Die meisten Geschäfte machten gar nicht erst auf. Die Behörden riefen alle Bewohner auf, ab 14 Uhr Ortszeit möglichst nicht mehr die Häuser zu verlassen.

Vor der Küste North Carolinas ist ein Segelschiff in Seenot geraten. Bei fünf Meter hohen Wellen hat die Besatzung die 'HMS Bounty' - ein Nachbau des legendären Dreimasters aus dem 18. Jahrhundert - verlassen und wartet in Rettungsbooten auf Hilfe. Das teilte die Küstenwache laut 'AFP' mit.

Engpässe durch Hamsterkäufe - Wahlkampf gerät durcheinander

Für die Bewohner der Hauptstadt Washington und mehrerer Bundesstaaten, darunter New York und Maryland, riefen die Behörden den Notstand aus. Wetterexperten warnten vor einem Jahrhundertsturm.

Befürchtet wird, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stößt. Diese Kombination könne zum schwersten Unwetter seit August 1991 führen. Damals tötete Hurrikan 'Bob' an der Ostküste vier Menschen und führte von South Carolina im Süden bis Maine im Norden zu hohen Schäden.

Experten fürchten, dass sich der Schaden allein durch den Wind auf über drei Milliarden Dollar (rund 2,3 Milliarden Euro) belaufen könne.

Die Schiffe der Navy, die im wichtigen Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, wurden verlegt. 61.000 Mitglieder der Nationalgarde sind in Katastrophen-Bereitschaft. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken.

Hamsterkäufe führten zu ersten Engpässen. Viele Supermärkte von Washington bis New York hatten kein Wasser mehr, Regale waren leer. Auch Batterien und Lebensmittel in Dosen wurden knapp. "Hier war ein Wahnsinnsbetrieb", sagte ein Verkäufer in einem Haushaltswarenladen. "Die Menschen haben immer nur nach Taschenlampen, Batterien, Campingkochern und sowas gefragt. Wir haben unser ganzes Lager leergeräumt." Sie habe nirgendwo mehr Kerzen bekommen, beklagt sich eine Kundin.

Tausende Flüge wurden wegen des Sturms gestrichen, darunter auch Verbindungen nach Deutschland. Allein die Lufthansa strich bundesweit für Montag und Dienstag insgesamt 13 Flüge an die US-Ostküste. Die Fluggesellschaft Air Berlin strich beispielsweise in Düsseldorf jeweils drei Flüge von und nach New York. Abgesagt wurden Flüge an den Airports Frankfurt, München und Düsseldorf. Mit den Verbindungen in die Vereinigten Staaten sollen auch die Rückflüge nach Deutschland ausfallen.