Monstersturm 'Sandy': Notstand im Osten der USA - Börse geschlossen

29. Oktober 2012 - 16:49 Uhr

375.000 New Yorker müssen ihre Häuser verlassen

Die US-Ostküste rüstet sich für einen Jahrhundertsturm und deshalb geht momentan nichts mehr in den großen Metropolen wie New York. Der befürchtete Monstersturm 'Sandy', der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern auf die Stadt zurast, hat das öffentliche Leben lahmgelegt und eine seltsam-bedrohliche Ruhe macht sich breit.

Sturm Sandy, USA, Hurrikan
Das öffentliche Leben in New York steht still. U-Bahnen, Schulen, die Börse, alles bleibt geschlossen.
© REUTERS, CARLO ALLEGRI

Besonders gefährlich dürfte die Sturmflut werden, da durch die extrem große Ausdehnung des Sturmfeldes viel Wasser bewegt wird. Außerdem wird Sandy die Küste nicht streifen, sondern im Winkel von 90 Grad frontal erwischen.

"Das ganze System ist stillgelegt", steht in dicker roter Schrift auf Bildschirmen an allen 468 New Yorker U-Bahnhöfen. Auch Busse, Fähren und Regionalzüge waren schon am Sonntagabend vorsorglich in die Depots gebracht worden. Die Vereinten Nationen, die Börse an der Wall Street, Schulen, Universitäten, Theater, Opern sowie viele Büros und Geschäfte sollten am Montag geschlossen bleiben.

Aufgrund der gefährlichen Lage könne die Sicherheit der Mitarbeiter und Händler nur schwer gewährleistet werden, teilte der Börsenbetreiber Nyse Euronext zur Begründung der kurzfristigen Entscheidung mit.

Das Auge des Wirbelsturms soll nach Angaben des 'National Hurricane Centers' am Montagabend oder in der Nacht (Ortszeit) die Küste erreichen.

Engpässe durch Hamsterkäufe - Wahlkampf gerät durcheinander

Für die Bewohner der Hauptstadt Washington und mehrerer Bundesstaaten, darunter New York und Maryland, riefen die Behörden den Notstand aus. Wetterexperten warnten vor einem Jahrhundertsturm.

Befürchtet wird, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stößt. Diese Kombination könne zum schwersten Unwetter seit August 1991 führen. Damals tötete Hurrikan 'Bob' an der Ostküste vier Menschen und führte von South Carolina im Süden bis Maine im Norden zu hohen Schäden.

Die Schiffe der Navy, die im wichtigen Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, müssen verlegt werden. 61.000 Mitglieder der Nationalgarde waren in Katastrophen-Bereitschaft. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken.

Hamsterkäufe führten zu ersten Engpässen. Viele Supermärkte von Washington bis New York hatten kein Wasser mehr, Regale waren leer. Auch Batterien und Lebensmittel in Dosen wurden knapp. Experten fürchten, dass sich der Schaden allein durch den Wind auf über drei Milliarden Dollar (rund 2,3 Milliarden Euro) belaufen könne.

In vielen Supermärkten und Drogeriegeschäften sind Wasserflaschen, Dosen mit haltbaren Lebensmitteln, Taschenlampen und Batterien ausverkauft. "Hier war ein Wahnsinnsbetrieb", sagte ein Verkäufer in einem Haushaltswarenladen. "Die Menschen haben immer nur nach Taschenlampen, Batterien, Campingkochern und sowas gefragt. Wir haben unser ganzes Lager leergeräumt." Sie habe nirgendwo mehr Kerzen bekommen, beklagt sich eine Kundin.

Der befürchtete Monstersturm bremste auch den Präsidentschaftswahlkampf aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch Herausforderer Mitt Romney sagten Termine ab, um den Sturm zu umgehen. Zudem gibt es düstere Prognosen, wonach der Sturm zu weit verbreiteten Stromausfällen führen wird, die bis zum Wahltag am 6. November auch die Stimmabgabe beeinträchtigen könnten.

Der Amtsinhaber will vor der Wahl in anderthalb Wochen unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan 'Kathrina' im August 2005 vermeiden. Damals geriet Ex-Präsident George W. Bush heftig wegen der unkoordinierten Hilfe der Regierung in die Kritik.

Auch deutsche Reisende sind von dem Sturm betroffen: Mehrere Flüge in die USA wurden gestrichen. Allein die Lufthansa strich bundesweit für Montag und Dienstag insgesamt 13 Flüge an die US-Ostküste. Die Fluggesellschaft Air Berlin strich beispielsweise in Düsseldorf jeweils drei Flüge von und nach New York. Abgesagt wurden Flüge an den Airports Frankfurt, München und Düsseldorf. Mit den Verbindungen in die Vereinigten Staaten sollen auch die Rückflüge nach Deutschland ausfallen.