Monaco-GP: Luxus für die einen, Höllenritt für die anderen

24. Mai 2015 - 13:52 Uhr

Aus Monaco berichtet Daniel Grochow

Luxus pur neben, volle Konzentration auf der Strecke: Der Grand Prix im Fürstentum Monaco gilt für Fans und Fahrer als das absolute Highlight im Rennkalender. Während die Schönen und Reichen im Yachthafen ihren Champagner schlürfen, wird den Piloten auf dem Parcours alles abverlangt. Wer zu spät bremst, ist raus - doch nicht nur das macht den Reiz in den Straßen von Monte Carlos aus. Es ist das große Spektakel, das Monaco zu einem einzigartigen Event macht, zumindest für diejenigen, die das nötige Kleingeld dafür aufbringen können.

Monaco-GP, Girls
Heiße Kurven gehören in Monaco genauso dazu wie die Protz-Boote im Yachthafen.
© XPBCC, xpb.cc

Die Sonne scheint, das Meer glitzert, die Yachten sind auf Hochglanz poliert, auf ihren prachtvollen Booten schlürfen die Schönen und Reichen den teuren Champagner - es sind diese Klischees, die der geneigte Fan mit dem Rennen in Monaco verbindet. Und lassen wir uns gleich zu Anfang klarstellen: Es ist alles noch luxuriöser, als es sich der Otto-Normal-Verbraucher vorstellt. Im Fürstenstaat an der Côte d'Azur brüllen die Ferrari, Porsche, Lamborghini und andere Protz-Karren um die Wette, die rund 37.000 Einwohner schlendern in teuren Anzüge und Kleidchen durch die beeindruckenden Geschäfte, in denen man für Autos, Möbel oder den feinen Zwirn schnell ein kleines Vermögen ausgeben kann.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Geld in diesem Steuer-Paradies steckt, einfach mal ein paar Zahlen: Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung liegt in diesem Jahr bei schlappen 93.000 Euro, die Arbeitslosenquote bei 0 Prozent. Laut einer Studie von 2014 ist hier fast jeder dritte Einwohner ein Dollar-Millionär. In der bekanntesten Spielbank der Erde, dem Casino Monte Carlo, gehen jährlich Jetons im Wert von mehreren Billionen über die Tische. Kurzum: Es steckt nirgends auf der Erde so viel Kapital wie in diesem 202 Hektar großen Landstrich.

Ein Hauch von Weihnachten in der Rascasse

Weil das viele Geld ja irgendwie auch ausgegeben werden will, haben in Monaco selbstredend auch die exquisitesten Lokalitäten ihr Zuhause. Ein beliebter Anlaufpunkt für die feine Gesellschaft ist das 'Jimmy'z', eine Diskothek, in der das teuerste Champagner-Bouquet so viel kostet wie ein Eigenheim: 300.000 Euro. Wer lieber gut speist, tut das in den unzähligen Gourmet-Tempeln, wie der 'Cipriani', einem Restaurant von Flavio Briatore. Der ehemalige Teamchef von Benetton und Renault lässt hier ein Grand-Prix-Menü kredenzen, das in diesem Jahr schon für 350 Euro zu haben ist - ohne Getränke, versteht sich. Was kostet noch gleich die Welt?

Etwas günstiger geht es in einer Kult-Bar 'La Rascasse' zu, die direkt an der gleichnamigen Kurve liegt. Bei Tageslicht werden hier die Sessions hautnah verfolgt, in der Nacht ist die eher einfach gehaltene Kneipe eine der angesagtesten Adresse für partyhungrige Fans. Offenbar gut betuchte junge Männer werfen an der Theke mit den 100-Euro-Scheinen nur so um sich, leicht bekleidete Frauen setzen ihre weiblichen Vorzüge auf den Tanzflächen gekonnt in Szene. Wenn der Veranstalter zu später Stunde im Außenbereich eine Mischung aus Schaum und Kunstschnee über das Party-Volk rieseln lässt und dazu Weihnachtslieder auflegt, stellt man sich als Besucher kurz die Frage, beim wievielten Getränk man eigentlich gerade angekommen ist.

Das ausufernde Nachtleben wird spätestens in den Morgenstunden vor allem für die Streckenposten zur Tortur. Die bemitleidenswerten Herren haben die unangenehme Aufgabe, den Asphalt vom Unrat der Nacht zu befreien; nicht jedes Getränk bleibt nämlich dort, wo es hingehört, sondern landet nicht selten im hohen Bogen eben da, wo kurze Zeit später wieder Sebastian Vettel & Co. über die Strecke jagen. Und sind wir mal ehrlich: Glamour, Glanz, schöne Frauen, dicke Autos und ebensolche Boote - das Wörtchen Kotze passt in diese Aufzählung nicht wirklich rein. Die Macher der bedeutendste Hafenrundfahrt der Welt sind zumindest bei Tageslicht wieder darauf bedacht, nicht nur das süße Leben in Luxus und Überfluss zu repräsentieren, sondern auch die entsprechende Etikette zu wahren.

Monaco wie "Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer"

Sebastian Vettel, Ferrari, Monaco
Stars wie Sebastian Vettel sind für die Fans im Hafen von Monte Carlo zum Greifen nah.
© REUTERS, MAX ROSSI

Die Piloten werden im Qualifying und Rennen aber kaum die Zeit haben, um die freizügigen Damen noch die prachtvollen Yachten im Hafen näher unter die Lupe zu nehmen. Keine Auslaufzonen, keine Sturzräume, ein kleiner Fehler - und schon ist das ganze Wochenende gelaufen. In der Boxengasse wird gerne der dreifache F1-Weltmeister Nelson Piquet zitiert, der einmal den treffenden Vergleich heranzog: "Ein Formel-1-Rennen in Monaco, das ist wie Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer." Bei keinem Grand Prix der Saison ist deshalb so viel Konzentration gefragt, wie auf dem kurvenreichen Stadtkurs im Fürstentum.

Mittendrin statt nur dabei sind die Zuschauer, die dem F1-Zirkus mit all seinem Glamour so nah wie bei keinem anderen Rennen kommen können. Im Hafen, der an das Fahrerlager grenzt, trennt den gemeinen Besucher nur ein Gitterzaun von den Hauptdarstellern. Ein Autogramm von seinem Idol persönlich gereicht bekommen, ohne VIP-Ticket ein Selfie mit den Superstars der Formel 1 machen - in Monaco ist all das möglich. Kein Scherz: An diesem Donnerstag hat sogar Bernie Ecclestone am Eingang des Paddocks gestanden, um den sichtlich perplexen Zuschauer sein Kürzel auf die Kappe zu kritzeln. Wird der F1-Boss auf seine alten Tage etwa doch noch volksnah?

Rosberg schläft im Kinderzimmer

Was Monaco ebenfalls zum unvergesslichen Erlebnis macht, ist die Anreise zur Strecke. In den engen Gassen von Monte Carlo reihen sich die Stoßstangen der Luxus-Karossen aneinander, von links und rechts werden Autofahrer von Vespas überholt. Die Zufahrtsstraßen sind derart verstopft, dass man für wenige Kilometer gut und gerne eineinhalb Stunden Anfahrt einplanen sollte. Die Piloten schlängeln sich nicht ohne Grund auf ihren Rollern durch die Staus, die die Pressevertreter schier in den Wahnsinn treiben.

Von solchen Problemen kann Nico Rosberg an diesem Renn-Wochenende nur träumen. Der Mercedes-Mann lebt seit seiner Kindheit in Monaco, hat deshalb aber auch mit den Tücken der rauschenden Party-Nächte zu kämpfen. Unmittelbar unter seinem Schlafzimmer ist für den Grand Prix eine Strand-Disco eingerichtet worden, Rosberg nächtigt deshalb im komplett in Pink gestrichenen Räumchen für seine ungeborene Tochter. Der Kommentar dazu vom Deutschen: "An Schlafen ist bei den Beats nicht zu denken, im Kinderzimmer hört man dagegen nichts" - hach ja, das Leben in Monaco, es kann so kompliziert sein.