Diese Vorschläge macht die Jugend

"Mogelpackung" statt echter Chance: Jugendrat kritisiert das Konjunkturpaket

29. Juni 2020 - 15:05 Uhr

von Lisa-Marie Stryer

Der Bundestag hat wichtige Teile des Konjunkturpakets beschlossen, das die Wirtschaft in der Corona-Krise wieder ankurbeln soll. So wird etwa die Mehrwertsteuer bis Jahresende von 19 Prozent auf 16 Prozent abgesenkt und Familien erhalten pro Kind einen Bonus von 300 Euro. Der Jugendrat Generationen Stiftung spricht von einer "Mogelpackung".

Bedürfnisse künftiger Generationen nicht berücksichtigt

Dem Jugendrat Generationen Stiftung, der die Interessen der Jugend vertritt, geht das Konjunkturpaket nicht weit genug: Das Konjunkturpaket sei nur eine "Mogelpackung, mit der Probleme kaschiert werden, statt sie ernsthaft anzugehen", kritisiert Jugendratsmitglied Elia Mula.

Die Bedürfnisse künftiger Generationen würden dabei überhaupt nicht berücksichtigt. Alle Maßnahmen der Regierung zielten nur darauf ab, die Wirtschaft wieder so fit zu machen, wie sie es vor der Corona-Pandemie war – anstatt die Krise als Chance zu nutzen, um auch die Themen soziale Ungerechtigkeit und Klimaschutz anzugehen.

Anstelle einer Kaufprämie für E-Autos hätte die Regierung die Automobilbranche grundlegend reformieren und klimafreundlicher machen müssen.

Kinderbonus sei "blanker Hohn"

Wer seit Monaten den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Arbeit bewältigen müsse, für den sei der beschlossene Kinderbonus von 300 Euro pro Kind der "blanke Hohn", ergänzt Jugendratsmitglied Hannah Lübbert.

Und auch auf die Zukunftssorgen all jener, die durch die Corona-Pandemie ihren Job verloren haben oder in Kurzarbeit geschickt wurden, gebe das Konjunkturpaket keine Antworten. Damit riskiert die Regierung aus Sicht des Jugendrates, dass die soziale Spaltung in Deutschland weiter zunimmt.

Konkret fordert der Jugendrat:

  • alle Wirtschaftshilfen sollen an strenge soziale und ökologische Bedingungen  geknüpft werden – wie etwa Arbeitsplatzgarantien oder mehr Klimaschutz.
  • Vermögende sollten zudem stärker zur Kasse gebeten werden, um sozial Schwache zu unterstützen.

So könnte die Corona-Krise zur echten Chance werden. 

Unterstützung bekommt der Jugendrat vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Dessen Präsident, Marcel Fratzscher, forderte, das aktuelle Konjunkturpaket mit einem "klugen Zukunftspaket" in Höhe von 180 Mrd. Euro zu ergänzen. Das Geld solle in Zukunftstechnologien, in den Klimaschutz, aber auch in bessere Bildung und den Sozialstaat investiert werden. Nur so könnte langfristig mehr Wohlstand in Deutschland garantiert werden. 

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