Nicht nur beim Käse wird gespart

Verbraucherzentrale kürt Mirácoli zur "Mogelpackung des Jahres 2019"

Mirácoli von Mars ist zur "Mogelpackung des Jahres 2019" gewählt worden.
© Verbraucherzentrale Hamburg

22. Januar 2020 - 9:57 Uhr

Insgesamt fünf Produkte standen zur Auswahl

Das Nudelfertiggericht Mirácoli von Mars ist zur "Mogelpackung des Jahres" gewählt worden. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte fünf besonders dreiste Mogelpackungen zur Wahl gestellt. Mehr als ein Drittel der insgesamt 43.044 abgegebenen Stimmen votierte für das Nudelfertiggericht. Die Verbraucher bemängelten in erster Linie, dass das Produkt seit dem Jahr 2019 ohne Käse verkauft wird.

Kritikpunkt: weniger Inhalt, gleicher Preis

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, die regelmäßig die "Mogelpackung des Jahres" kürt, erklärt: "Wir haben jede Menge Beschwerden zu Mirácoli bekommen."

Negativ aufgefallen sei den Verbrauchern nicht nur der fehlende Käse, sondern auch, dass Hersteller Mars darüber hinaus an Tomatensauce und Würzmischung spart - und das alles bei gleichem Preis wie zuvor. Einen entsprechenden Hinweis auf den reduzierten Inhalt der Packung sucht man jedoch vergebens. "Dabei wäre es ein Leichtes für Mars, ehrlich mit seinen Kunden umzugehen", meint Valet. "Warum bietet man nicht einfach eine zweite Variante mit Käse an?"

Abstimmungsergebnis im Überblick

Neben Mirácoli von Mars standen vier weitere Produkte zur Wahl als "Mogelpackung des Jahres". Das ist das Abstimmungsergebnis:

  • 1. Platz: "Mirácoli" von Mars, 15.749 Stimmen (36,6 Prozent)
  • 2. Platz: "100 % Bio Direktsaft Karotte" von Hipp, 13.934 Stimmen (32,4 Prozent)
  • 3. Platz: "Rama Unser Meisterstück" von Upfield, 6.329 Stimmen (14,7 Prozent)
  • 4. Platz: "Darkmilk" von Milka, 3.723 Stimmen (8,6 Prozent)
  • 5. Platz: "Frosties" von Kellog, 3.309 Stimmen (7,7 Stimmen)

Der Preis des Karotten-Direktsafts von Hipp, der knapp hinter Mirácoli auf Platz zwei gelandet ist, hatte sich mehr als verdoppelt: Der Saft wurde vorher in einer 500-Milliliter-Flasche verkauft. Mittlerweile sind es nur noch 330 Milliliter. Zusätzlich ist das Produkt im Handel teurer geworden. Das entspricht laut der Verbraucherzentrale Hamburg einer Preiserhöhung von 115 Prozent.

Rama Unser Meisterstück wurde bereits im Oktober 2019 zur "Mogelpackung des Monats" gekürt und fiel dadurch negativ auf, dass die gleiche Rezeptur unter neuem Namen und noch dazu teurer als das Vorgängerprodukt verkauft wurde. So sei das Produkt "Rama mit Buttermilch" seit einiger Zeit aus den Kühlregalen verschwunden. Die Zutatenlisten der alten und der neuen Sorte seien allerdings beinahe identisch.

Eine Tafel "Darkmilk" von Milka wiegt bringt nur noch 85 Gramm - statt wie zuvor 100 Gramm - auf die Waage - bei gleichem Preis wie zuvor.

Bei den Frühstücksflocken "Frosties" von Kellogg's wurde die Füllmenge von 375 auf 330 Gramm reduziert, ohne dass der Preis entsprechend gesenkt wurde.

Verbraucherzentrale Hamburg fordert mehr Transparenz für Verbraucher

Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz.
Viele Verbraucher sind angesichts des immensen Lebensmittelangebots überfordert.

"Verbraucher haben kaum eine Chance, versteckte Preiserhöhungen im Handel zu erkennen, und wir können keine rechtlichen Schritte einleiten", sagt Verbraucherschützer Valet. Während die Hersteller die Füllmenge reduzieren, legen die Händler laut Kartellrecht die Preise fest. "Da schiebt einer dem anderen den Schwarzen Peter zu und am Ende war es keiner gewesen", so Valet.

Bundesverbraucherschutzministerin Christine Lambrecht will sich laut Presseberichten nun dafür einsetzen, dass bei versteckten Preiserhöhungen für mehr Klarheit gesorgt wird. "Wir nehmen die Ministerin beim Wort und fordern eine Transparenzplattform, auf der Hersteller Füllmengenänderungen samt UVP veröffentlichen müssen. Würden diese Informationen um die Preise des Handels ergänzt, könnten Verbraucher nicht mehr so leicht über den Tisch gezogen werden."

Zahl der Beschwerden nimmt zu

Die steigende Zahl an Beschwerden von Verbrauchern zeigt, dass die Menschen bewusster einkaufen und die Tricks der Lebensmittelhersteller durchaus durchschauen. Im Jahr 2019 erhielt die Verbraucherzentrale Hamburg mehr als 2.500 Beschwerden zu Mogelpackungen. Dabei ärgerten sich die Verbraucher am meisten über versteckte Preiserhöhungen und Verpackungen mit viel Luft und wenig Inhalt, welche zusätzlich die Umwelt belasten. Valet rät dazu, sich bewusst für oder gegen den Kauf zu entscheiden und somit Zeichen zu setzen: "Nur wenn wir alle die Produkte im Regal liegen lassen, über die wir uns ärgern, kommen die Unternehmen vielleicht endlich zur Besinnung!"

Quelle: Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Hamburg e.V.