Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung

Heilpraktiker verabreichte Krebspatienten Nervengift in tödlicher Überdosis

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18. Juli 2019 - 11:13 Uhr

Fährlässige Tötung von Krebspatienten

Der 61-Jährige Heilpraktiker Klaus R. aus Moers am Niederrhein wurde wegen fahrlässiger Tötung dreier Krebspatienten zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Bei der Behandlung seiner Pateinten mit einem hochwirksamen Nervengift hat der Mann grob nachlässig gehandelt, entschied das Gericht.

Staatsanwalt forderte drei Jahre Haft

Neben der fahrlässigen Tötung wurden dem Angeklagten Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen vorgeworfen. Zwei Frauen und ein Mann starben im Juli 2016 innerhalb von zwei Tagen nach der Infusion.

Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Haft gefordert. Der Heilpraktiker habe bei der Behandlung mit einem nicht zugelassenen Medikament, einem hochwirksamen Zellgift, "alle Pflichten missachtet".  Die Verteidigerin des 61-jährigen Heilpraktikers hatte zuvor einen Freispruch beantragt. Es sei nicht nachgewiesen, dass die Therapie ihres Mandanten den Tod der Patienten verursacht habe. Diese seien schwer krebskrank gewesen und hätten die klassische Chemotherapie abgelehnt. Sie hätten gewusst, dass sie sich auf eine experimentelle Therapie einließen.

Wiegefehler führte zu Überdosierung

Krebspatienten sterben durch Überdosis
Der Heilpraktiker hatte den Krebspatienten ein experimentelles Medikament verabreicht. (Foto: Motivbild)
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Vor drei Jahren hatte der Heilpraktiker aus Moers ein alternatives Krebsmittel falsch abgewogen. Er verwendete eine Waage, die zum Wiegen von Kleinstmengen ungeeignet ist, und verabreichte seinen schwerkranken Patienten so eine Überdosis. So habe die von ihm benutzte Waage keine tausendstel Gramm messen können, obwohl es darauf angekommen sei. Dadurch habe er seinen Patienten eine bis zu sechsfache, tödliche Überdosis verabreicht.

Einer 43-Jährigen ging es nach der Behandlung sehr schlecht. Dennoch habe der 61-Jährige damals keinen Notarzt alarmiert und die an Brustkrebs erkrankte Frau einfach nach Hause geschickt. Obwohl es bei der Dosierung auf das Körpergewicht ankommt, hat er die zweifache Mutter nicht gewogen.