Mönchengladbach: Wenige Wochen alter Säugling zu Tode gequält – Eltern vor Gericht

Landgericht Mönchengladbach
Landgericht Mönchengladbach
© dpa, Roland Weihrauch, rwe wie

03. August 2018 - 8:18 Uhr

Vater wegen Mordes angeklagt

An Grausamkeit nicht zu überbieten: Eltern, die ihr eigenes Kind töten. Ein Mann aus Mönchengladbach soll seinen erst wenige Wochen alten Sohn Ben zu Tode gequält haben. Die Mutter sah nur zu. Jetzt beginnt der Prozess vor dem Landgericht gegen beide.

Mutter sah den Misshandlungen tatenlos zu

Dem 30-jährigen Vater des Kindes wird der Mord an seinem Sohn und die Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Die Mutter (30) des kleinen Ben muss sich wegen Totschlags durch Unterlassen sowie ebenfalls Misshandlung von Schutzbefohlenen vor Gericht verantworten. Sie schritt den Angaben der Staatsanwaltschaft nach nicht ein und nahm den Tod ihres Kindes billigend in Kauf.

Baby Ben musste unvorstellbare Gewalt erleiden

Die Anklage wirkte wie eine Auflistung von Grausamkeiten aus einem widerlichen Horror-Film. Die Grausamkeiten sollen bereits nach dem ersten Routine-Besuch nach der Entbindung beim Kinderarzt begonnen haben sollen: Auf dem Arm haltend habe der Vater dem 3.900 Gramm schweren Jungen so heftig mit der Hand auf den Rücken gedrückt, dass sich das Kind erbrach. Er habe das Kind so aus seinem Arm fallen lassen, dass es mit dem Kopf auf den Wickeltisch und dann auf den Fußboden aufschlug. Täglich soll sich der 94-Kilo-Mann mit seinem ganzen Gewicht auf Bauch- und Brustbereich des Kindes abgestützt haben, bis das Kind nicht mehr atmen konnte und eine grüne Flüssigkeit erbrach.

Um die schweren Misshandlungen zu vertuschen, habe er den Jungen in der Nacht zum 1. Februar 2018 ermordet, stellte Staatsanwalt Benjamin Kluck fest: Dazu habe er das Kind in eine auf der Couch liegende Decke gedrückt, bis das Kind aufgehört habe zu atmen. Der Junge starb den Angaben nach an einer Kombination aus erheblichem Blutverlust in der Bauchhöhle und dem Erstickungsgeschehen. Daneben seien bei dem Kind unter anderem 13 Rippenbrüche, Einblutungen an der Leber und Risse am Darm festgestellt worden.

Der Vater habe den kleinen Körper nach der Tat so hingelegt, als würde der Junge schlafen.  Er ist des Mordes und der Misshandlungen von Schutzbefohlenen angeklagt. Die 30-Jährige Mutter soll bei den Misshandlungen teilweise dabei gewesen sein und nicht eingegriffen haben, wie die Staatsanwaltschaft feststellte. Die Frau habe den Tod des nur wenige Wochen alten Säuglings billigend in Kauf genommen. Sie steht wegen Totschlags durch Unterlassen in Tateinheit mit Misshandlung von Schutzbefohlenen vor Gericht.   Der Vater habe sich in seiner täglichen Routine gestört gefühlt, hatte die Polizei nach der Vernehmung des Mannes berichtet: Unter anderem habe er nicht mehr bis mittags im Bett liegen können.

Dem Vater droht eine lebenslange, der Mutter eine mehrjährige Haftstrafe.