Skandal-Wahlkampf in Mönchengladbach

Grüner OB-Kandidat per Traueranzeige für tot erklärt

In dieser Traueranzeige wird OB-Kandidat Boris Wolkowski für tot erklärt
In dieser Traueranzeige wird OB-Kandidat Boris Wolkowski für tot erklärt
© privat

10. September 2020 - 11:44 Uhr

Boris Wolkowski ist quicklebendig und wohlauf

Totgesagte leben bekanntlich länger ­­– doch auf diese Aufmerksamkeit hätte der Oberbürgermeister-Kandidat Boris Wolkowski (45) aus Mönchengladbach lieber verzichtet. "Plötzlich und unerwartet verstarb heute nach einem langen erfüllten Leben Boris Wolkowski", heißt es in einer Traueranzeige für den Grünen-Politiker. Das Problem: Der OB-Kandidat ist gar nicht tot! Boris Wolkowski ist quicklebendig und wohlauf.

"Eine Geschmacklosigkeit!"

Unbekannte haben für den Rechtsanwalt zwei Traueranzeigen in mehreren Zeitungen geschaltet. "Wir sind unendlich traurig", heißt es in den Inseraten, die besagen, dass Wolkowski am 4. September verstorben sei. "Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am Freitag, dem 11. September um 12 Uhr (…) statt."

Für Wolkowski eine gespenstische Vorstellung, an seine eigene Beisetzung zu denken. "Wenn man sein eigenes Bild neben einer Todesanzeige sieht, trifft einen das. Das ist schon gruselig. Ich konnte das erstmal gar nicht einordnen", sagt der Lokalpolitiker. "Eine Geschmacklosigkeit!"

Anzeige sollte mit hoher Auflage erscheinen

Boris Wolkowski
Boris Wolkowski (45, Grüne) will Oberbürgermeister von Mönchengladbach werden, lässt sich von der Geschmacklosigkeit nicht beirren
© Boris Wolkowski

Online waren die beiden Anzeigen eine lange Zeit sichtbar. Eigentlich sollten sie in allen Lokalteilen der Rheinischen Post und der Westdeutschen Zeitung veröffentlicht werden. Glück im Unglück: Ein Mitarbeiter der Zeitungsdruckerei erkannte den Politiker, informierte seinen Vorgesetzten. Der Druck der falschen Traueranzeigen wurde im letzten Moment verhindert.

Dass die Todesanzeigen mit einer so hohen Auflage und einem derart hohen Kostenaufwand verbreitet werden sollten, irritiert den OB-Kandidaten: "Es geht auch um Regionen am Niederrhein, in denen ich nicht bekannt bin." Wolkowski weiß aber auch: "Als Grünen-Politiker macht man sich in einem gewissen Spektrum nicht nur Freunde."

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Polizei liegt die IP-Adresse des Inserenten vor

Ob es sich nur um einen makaberen Scherz oder eine Drohung handelt, weiß der Rechtsanwalt nicht. "Jetzt mache ich mir schon Gedanken, was ich am 11. September um 12 Uhr mache. Da mache ich mir schon Sorgen."

Der Mönchengladbacher hat die Polizei eingeschaltet, will sich von der geschmacklosen Aktion auf keinen Fall beirren lassen. Den Ermittlern liegt bereits die IP-Adresse des Inserenten vor. Über die Bankverbindung, die beim Kauf der Anzeigen angegeben wurde, könnte sich der Ersteller ebenfalls ausmachen lassen. Der Staatsschutz hat sich dem Fall angenommen.

Die falschen Todesanzeigen sind nicht der einzige Fall von skandalösem Wahlkampf vor dem Urnengang am 13. September in NRW. Im Mülheim soll ein OB-Kandidat die Plakate seines Konkurrenten abgerissen haben. RTL hat die Streithähne zusammengebracht.