Mögliche Fehler bei Notversorgung: Könnte Tugce noch leben?

Hätte Tugce möglicherweise überleben können?
Hätte Tugce möglicherweise überleben können?

17. Juni 2015 - 14:28 Uhr

"Nicht alles ist ganz ordnungsgemäß abgelaufen"

Eine überraschende Aussage könnte eine neue Wende im Fall Tugce bringen: Möglicherweise hat es bei der Notfallversorgung Fehler gegeben. Das sagte ein Mediziner des Krankenhauses Offenbach.

Im Prozess um den Tod der jungen Frau vor dem Landgericht Darmstadt sagte der Vorsitzende Richter Jens Aßling, ein Anästhesist des Krankenhauses habe ausdrücklich um eine Vernehmung bei der Polizei gebeten und ausgesagt, dass bei der Notfallbehandlung Tugces "nicht alles ganz ordnungsgemäß abgelaufen" sei. Diese Aussage spiele aber "zunächst keine Rolle" für den Prozess.

"Man hat schon vorausgesehen, dass etwas vorfallen könnte"

Das Gericht hörte währenddessen weitere Zeugen an, die weder direkt zu Tugces Freundeskreis noch zu dem des Angeklagten Sanel M. gehörten. Ein 23-jähriger Student und eine 26-jährige Studentin sagten aus, dass es auch von Tugce Beleidigungen gegen den Angeklagten gegeben habe. "Man hat schon vorausgesehen, dass etwas vorfallen könnte", sagte die Zeugin.

Ein 20 Jahre alter Zeuge habe Tugce nach dem Schlag auf dem Boden liegen sehen: "Sie blutete aus dem Kopf." Ein anderer Student sagte zu der Heftigkeit des Schlages gegen Tugce, dieser habe geklungen, "als ob ein Auto gegen die Wand fährt".

Der 18 Jahre alte Sanel M. steht wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. Er soll der 22-Jährigen im November vergangenen Jahres vor einem Schnellrestaurant in Offenbach so heftig ins Gesicht geschlagen haben, dass sie stürzte und später starb.