Mobbing extrem in Australien: Zehnjährige mit Beeinträchtigung von Mitschülern fast erhängt

Amber und Belinda Yoon haben ein inniges Verhältnis.
Amber Yoon mit ihrer Mutter Belinda Yoon.
Facebook/Belinda Yoon

"Queen of Apostles"-Schule in Riverton wirbt mit sicherem Umfeld

Die "Queen of Apostles"-Schule im australischen Riverton ist stolz auf ihre Werte: Fürsorglich, offen und sicher soll das Umfeld dort sein, heißt es auf der Homepage. Was die zehnjährige Amber Yoon berichtet, will so gar nicht dazu passen: Ihre Mitschüler sollen versucht haben, das Mädchen mit einem Springseil an einem Baum aufzuhängen. Die Schule reagierte anders, als man es erwarten würde.

Amber Yoon: Erste Operation kurz nach der Geburt

Amber Yoon als Baby
Kurz nach ihrer Geburt musste Amber zum ersten Mal operiert werden.
Facebook/Belinda Yoon

Amber Yoon hatte keinen leichten Start ins Leben. Bei ihrer Geburt war ihre Speiseröhre nicht mit ihrem Magen verbunden. In ihrem Herzen klaffte ein Loch. Ihr Gehör funktionierte kaum. Ambers Eltern Belinda und Dave Yoon verbrachten Monate am Krankenhausbett ihres kleinen Mädchens. Ihr Baby war erst wenige Stunden auf der Welt, als es die erste Operation über sich ergehen lassen musste. Die Yoons zitterten und bangten. Würde Amber trotz ihrer Beeinträchtigungen überleben? Dass diese ihrem Mädchen noch zehn Jahre später beinahe zum Verhängnis werden würden, weil es durch sie anders ist als andere Kinder, das hätten die Yoons dagegen nicht gedacht.

"Dass Amber überhaupt selbst laufen kann, ist schon für sich genommen schon ein Wunder. Und es ist auch ein Wunder, wie Kinder so gehässig und ohne jegliches Einfühlungsvermögen sein können", sagt Belinda Yoon im Interview mit "Perth Now". Sie kann nicht fassen, dass Ambers Mitschüler sie beinahe gehängt hätten.

"Ich hatte Todesangst"

"Queen of Apostles"-Schule: Hier passierte der Vorfall
Die "Queen of Apostles"-Schule in Australien
Google Maps

Was sich vor Ambers Schule abspielte, rekonstruiert Melinda Yoon so: In der Mittagspause ruft eine Mitschülerin der Zehnjährigen sie zu einem Baum. Ein Springseil mit einer Schlaufe hängt über einem Ast. Die Täterin legt einem anderen Kind die Schlinge um den Hals, dann sich selbst. Dann ist Amber dran. Sie will nicht, doch weil sie kleiner als die anderen Kinder ist, wird sie überwältigt. Dann zieht das Mädchen mit aller Kraft an dem Seil. Ambers Füße drohen, vom Boden abzuheben. "Ich hatte Todesangst", erzählt sie.

Das Mädchen schafft es, seine Hände zwischen Seil und Hals zu bekommen, bevor sich die Schlinge zuzieht. Eine Lehrerin sieht die Szene und läuft herüber. Sie befreit Amber und schnauzt sie an. Warum sie sich ein Seil und den Hals lege, will sie wissen. "Die Lehrerin beschuldigte mich, sie klang sehr streng", so Amber. "Sie hielt das Seil in der Hand und sagte: 'Das werden wir deinen Eltern erzählen'."

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Bislang ist nichts passiert

Belinda Yoon will Konsequenzen für Mobber.
Belinda Yoon kann nicht fassen, was ihrer Tochter passiert ist.
Facebook/Belinda Yoon

Obwohl sich auf Ambers Hals Spuren des Seils abzeichnen, wird sie nicht medizinisch untersucht. Belinda Yoon sagt, sie habe entgegen der Ankündigung der Lehrerin erst von dem Vorfall erfahren, als Amber in Tränen ausbrach, als sie nach Hause kam. Sie vereinbart in der Schule einen Termin und nennt den Namen der Täterin. Dort heißt es, der Vorfall werde untersucht. In einem Statement der Schule heißt es, "es wird weiterhin mit den Familien der betroffenen Kinder zusammengearbeitet." Weiter ist bislang nichts passiert.

Belinda Yoon hat Amber und ihren anderen Sohn von der Schule genommen. Mittlerweile untersucht die örtliche Polizei den Vorfall. "Ich weiß nicht, ob es Bestrafungen geben wird", sagt sie. "Ich möchte hier gar keine Köpfe rollen sehen, es sind kleine Kinder. Aber die Konsequenzen müssen streng und so beschämend sein, dass die Mobber wirklich abgeschreckt werden."