Mitten in Köln: Hier suchen Kinder im Müll nach Essen

30. Juni 2014 - 15:07 Uhr

"Mir gehen jetzt noch die Haare hoch"

Es ist ein Foto, das sprachlos und zugleich auch wütend macht: Hungrige Kinder suchen im Müll nach Essen. Solche schlimmen Bilder kennen wir sonst nur aus den Krisenregionen dieser Welt – aber mitten in Deutschland? Elisabeth Lorscheid hat diese Szene vor wenigen Tagen aus ihrem Fenster fotografiert. Die Kölnerin dachte zunächst, die drei Kinder würden bloß Verstecken spielen. Doch diese Kinder spielen nicht. Es ist bitterer Ernst: Sie haben Hunger!

Kinder suchen im Müll nach Essen
Elisabeth Lorscheid gründete den 'Kalker Mittagstisch'.

"Mir gehen jetzt noch die Haare hoch, weil ich mir sowas nicht vorstellen kann, dass Kinder in Köln in der Mülltonne wühlen müssen, um etwas zum Essen zu kriegen", sagt die 50-Jährige. Sie kümmert sich selbst um bedürftige Kinder, hat vor fünf Jahren in einem Kölner Stadtteil den 'Kalker Kindermittagstisch' gegründet. Und dort servierte Lorscheid den drei Kindern dann auch sofort ein richtiges Mittagessen. "Sie haben gestrahlt. Das ist als wenn ich ihnen ein Kuscheltier geschenkt hätte, dabei war es nur ein Teller Nudeln."

Bis zu 120 Kinder versorgt sie täglich mit einem warmen Essen. Ohne Hilfen von der Stadt. RTL-Reporter Torsten Sleegers hat die 50-Jährige bei ihrer Arbeit vor einiger Zeit begleitet. Ein 12-jähriges Mädchen erzählte damals, dass in der Nachbarschaft viele Kinder Zuhause kein richtiges Essen bekommen würden.

Kinder stammen aus einer Flüchtlingsfamilie

Recherchen ergaben, dass die beiden Jungen sechs Jahre und das kleine Mädchen von dem Foto vier Jahre alt sind und aus einer Flüchtlingsfamilie stammen, die in einem Hotel in dem Stadtteil untergebracht sind. Dort wurden sie auch wieder hingebracht.

"Eigentlich besteht kein Grund dafür, dass sich Kinder auf dieser Weise was zu essen beschaffen müssen", sagt Gregor Timmer von der Stadt Köln. "Denn es gibt Leistungen für Flüchtlingsfamilien, die nach dem Asylbewerberleistungsgesetz festgelegt sind. Das ist ein Satz, der dem Hartz-IV- Satz entspricht. Und der reicht hunderttausenden Familien in Deutschland aus, um davon zu leben."

Die Eltern der drei Kinder werden jetzt den Behörden aufschlüsseln müssen, wofür sie ihr Geld in den letzten Wochen ausgegeben haben. Außerdem wird sich das Jugendamt ab sofort um die Familie kümmern, damit es in Zukunft nicht mehr zu solchen Szenen kommt.