Mitt Romney: Ein Mormone als US-Präsident?

Republikaner und Freund der Wall Street: Herausforderer Mitt Romney auf der Suche nach dem Weg ins Weiße Haus.
© REUTERS, BRIAN SNYDER

07. November 2012 - 7:08 Uhr

Religion entscheidender Faktor im Wahlkampf

Obama ist der erste schwarze US-Präsident. John F. Kennedy war einst das erste katholische Staatsoberhaupt in den USA. Und nun könnte Mitt Romney als erster Mormone ins Weiße Haus einziehen.

Doch der 65-jährige Politiker geht diskret mit seinem Glauben um. Als Romney während seines Wahlkampfs vor die Absolventen der konservativ-christlichen Liberty University trat, betonte er die Gemeinsamkeiten. Er sprach von Gott und Werten. Das war nicht nur ein Versuch, streng christlich-evangelikale Wähler für sich zu gewinnen, sondern auch, immer noch bestehende Vorurteile gegen Mormonen zu zerstreuen.

Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern ist Religion in den USA ein entscheidender Faktor im Wahlkampf. Der Glaube ist vielen Amerikanern auch privat wichtig: Einer Gallup-Umfrage zufolge besuchen rund 37 Prozent mindestens einmal pro Woche einen Gottesdienst. Schon George W. Bush hatte das Bekenntnis zu seinem Glauben im Wahlkampf Zuspruch gebracht.

Wenn Romney aber die religiöse Karte zieht und um die Kernklientel seiner Republikanischen Partei buhlt - eine erzkonservative Gruppe, die die Mormonen skeptisch beäugt - ist das auch ein riskantes Spiel. Immerhin haben rund 18 Prozent der Amerikaner in einer weiteren Gallup-Umfrage angegeben, sie würden nie für einen mormonischen Politiker aus ihrer Partei stimmen.

Das Mormonentum, eine religiöse Bewegung aus dem 19. Jahrhundert, sorgt noch heute bei vielen Amerikanern für Unbehagen. Auch wegen der Polygamie ihrer Gründer. Obwohl die Kirche diese inzwischen ablehnt, denken viele bei Mormonen immer noch als erstes an Vielweiberei. Kritiker sehen den Glauben als einen Kult.

An der Wall Street hängt Romney Obama ab

Doch nicht nur der religiöse Unterschied bringt dem früheren Gouverneur von Massachusetts keine Pluspunkte. "Zu viele Leute wissen nicht, wofür er steht", sagt etwa der Politik-Experte David Yepsen. Romney hat zudem Probleme mit seiner Authentizität. Er gilt als abgehoben und dröge. Das habe schon die Kampagne vor vier Jahren belastet, als Romney bei den Vorwahlen der Republikaner John McCain den Vortritt lassen musste.

Zum Nachteil für Romney ist auch, dass er alles andere als ein Charismatiker ist. Dem Mann, der seit 1969 mit seiner Grundschul-Liebe Ann verheiratet ist und fünf Söhne mit ihr hat, eilt der Ruf eines echten Langweilers voraus. Daran scheiterte schon 2008 sein erster Anlauf ins Weiße Haus: Zu hölzern, zu sehr millionenschwerer Geschäftsmann.

Willard Mitt Romney, so sein vollständiger Name, wurde am 12. März 1947 in Detroit, US-Bundesstaat Michigan, als jüngstes von vier Kindern der ehemaligen Schauspielerin Lenore und des Automanagers George Romney in eine wohlhabende Familie geboren. Der Vater war 1963-1969 Gouverneur von Michigan, die Mutter bewarb sich 1970 erfolglos um einen Sitz im US-Senat.

Mit einem Abschluss in Jura und Betriebswirtschaftslehre an der Eliteuniversität Harvard machte Romney Karriere als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group und dann bei Bain & Company. 1984 gründete er mit anderen Partnern Bain Capital, eine private Beteiligungsgesellschaft, die angeschlagene Unternehmen aufkaufte und sanierte. 1999 verließ er die Branche und wurde mit der Organisation der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City beauftragt. Anschließend wechselte er in die Politik und wurde 2002 zum Gouverneur vom Massachusetts gewählt.

Die Demokraten und auch manche der Parteifreunde kritisieren, dass bei seiner Arbeit in der Beteiligungsbranche auch Arbeitsplätze verlorengingen. Die Zeitung 'Wall Street Journal' kam in einer Untersuchung zum Schluss, dass 22 Prozent von 77 Unternehmen, in die Bain Capital während der Romney-Jahre investierte, acht Jahre später sich im Konkurs sanierten oder pleite waren.

Die Wall Street hat indes über Romney ihr Füllhorn ausgeschüttet. Die Spenderliste liest sich wie ein 'Who is who' der Finanzwirtschaft: Manager samt Angehörigen und ihnen verbundene Komitees von Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Credit Suisse, Citigroup und Bank of America haben reichlich gespendet. Allein die Chefs dieser Börsenschwergewichte - die allesamt mit Staatsgeld vor dem Ruin bewahrt wurden - legten 1,8 Millionen Dollar für Romney hin.

"Er ist einer der ihren", sagt Viveca Novak vom Center for Responsive Politics, das die Wahlkampf-Finanzierung analysiert. Die Finanzwirtschaft glaube um die Ziele Romneys zu wissen. "Da erstaunt es nicht, dass sie ihn unterstützt."