Mit Pentagon-Lüge zwei Mädchen missbraucht: 30-Jähriger aus Niederbayern zu acht Jahren Haft verurteilt

Prozess DEggendorf Gericht Vergewaltigung Pädophilie
Der 30-Jährige wurde zu acht Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.
dpa, Armin Weigel

„Vertrauensverhältnis schamlos ausgenutzt“

Er tischte den Mädchen eine abenteuerliche Lüge auf: Um seine zwölfjährige Nichte und deren zwei Jahre ältere Freundin zum Sex zu zwingen, hatte ein 30-jähriger Mann aus Niederbayern in Kurznachrichten an die Mädchen behauptet, dass sich das US-Verteidigungsministerium Pentagon in deren Handys eingehackt habe. So sei eine ständige Überwachung möglich und die Mädchen müssten alle Aufgaben erledigen, die ihnen übertragen werden. Sonst würden sie ins Heim kommen. Vor allem sollten sie ihm durch Geschlechtsverkehr das Leben retten. Der Mann hatte sich mit Hilfe der erfundenen Geschichte fast anderthalb Jahre lang an den verängstigten Mädchen vergangen.

Das Landgericht Deggendorf hat den 30-Jährigen jetzt zu acht Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. „Sie haben das Vertrauensverhältnis zu ihrer Nichte schamlos ausgenutzt“, sagte die Vorsitzende Richterin Gisela Schwack.

Er schrieb die Nachrichten sogar auf Deutsch – die Mädchen merkten nichts

Der Mann erzählte seinen Opfern, er sei vom Geheimdienst vergiftet worden, weil die Mädchen nicht taten, was verlangt wurde. „Sie haben ein perfides Lügengebäude errichtet“, sagte die Richterin. Dass die Nachrichten aus dem US-Verteidigungsministerium auf Deutsch und teilweise sogar in bayerischem Dialekt geschrieben waren, hat die beiden Mädchen nicht an der Glaubwürdigkeit der Geschichte zweifeln lassen.

Der 30-Jährige hatte zum Prozessauftakt die Übergriffe eingeräumt und den minderjährigen Opfern damit eine Aussage vor Gericht erspart. Dem Geständnis war eine Absprache der Prozessparteien über das Strafmaß vorausgegangen. In seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung hatte sich der 30-Jährige direkt an seine Nichte gewandt, die im Gerichtssaal den Prozess verfolgt hatte. „Es tut mir schrecklich leid, was passiert ist und dass ich dein Vertrauen missbraucht habe. Ich gehöre dafür bestraft.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.