"Mit dieser Pistole wurde ein Baby erschossen" - drastische Anti-Waffen-Kampagne in den USA

25. März 2015 - 15:12 Uhr

Drastisches Experiment in vermeintlichem Waffenshop

Den US-Amerikanern ist beim Thema Waffen mit normalen Argumenten nicht beizukommen. Trotz aller Amokläufe und versehentlich erschossener Kleinkinder hat es sogar Präsident Barack Obama in den vergangenen Jahren vergeblich versucht. Stets ist er am Widerstand der mächtigen Waffenlobby und der Republikaner gescheitert.

Drastische Anti-Waffen-Kampagne in den USA
Auch die Organisation 'New Yorkers against Gun Violence' kämpft für schärfere Waffengesetze (Quelle: NYAGV)

Vor diesem Hintergrund hat die Organisation 'States United to Prevent Gun Violence' (Vereinigte Staaten zum Schutz vor Waffengewalt) jetzt ein drastisches Experiment gestartet. Mitten in New York hat sie ein vermeintliches Geschäft für Menschen eröffnet, die zum ersten Mal eine Waffe kaufen wollen – mit dem Versprechen, diese besonders gut zu beraten.

Was die potenziellen Käufer erst im Laden erfuhren: Dort wurde zu jeder der über 100 Waffen eine Geschichte erzählt. Ganz konkret bekamen sie in aller Ausführlichkeit geschildert, wer damit wann und wo getötet worden ist.

"Jede Waffe hat eine Geschichte. Lasst sie uns nicht wiederholen."

Über eine Pistole erfuhren sie, dass ein Amokläufer damit mehr als 20 Menschen in einem Fast-Food-Restaurant umgebracht hat, mit der nächsten Waffe erschoss ein zweijähriger Junge seine Mutter und mit einer anderen tötete ein Fünfjähriger seinen noch kleineren Bruder. "Mit dieser Pistole wurde ein Baby erschossen", hörten die Kunden vom angeblichen Verkäufer.

Die Reaktionen der irritierten und oft geschockten Kunden wurden mit versteckten Kameras gefilmt. Die Botschaft an sie: "Jede Waffe hat eine Geschichte. Lasst sie uns nicht wiederholen." So lautet auch der Titel einer Petition zum Thema. Unterstützer können sie auf der Internetseite von 'States United to Prevent Gun Violence' unterzeichnen. Auch in einem fiktiven Online-Shop wird über die Gefahren von Waffen aufgeklärt.

Die Gesetze in den USA, wo grundsätzlich jeder laut Verfassung eine Waffe tragen darf, wird die geniale Aktion sicher auch nicht über Nacht ändern. Aber das Video zur Kampagne wurde mittlerweile fast 3,4 Millionen Mal angeklickt. Laut Umfragen glauben über 60 Prozent der Amerikaner, dass der Besitz einer Waffe ihr Leben sicherer macht. Selbst wenn nur ein geringer Prozentsatz dieser Leute nachhaltig ihre Einstellung ändern würde, hätte 'States United to Prevent Gun Violence' schon ein wichtiges Ziel erreicht.