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Mit dieser pauschalen Kritik schadet sich Verteidigungsministerin von der Leyen nur selbst

Mit dieser pauschalen Kritik schadet sich Verteidigungsministerin von der Leyen nur selbst

Ein Kommentar von Oliver Scheel

Ursula von der Leyen hat schwer gegen ihre eigene Truppe geschossen. Die Bundesverteidigungsministerin kritisierte in einem offenen Brief die Soldaten und erhob schwere Vorwürfe gegen die Bundeswehr. "Die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem, und sie hat offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen", sagte sie in ihrem Frontalangriff. Jetzt prasselt von allen Seiten Kritik auf die CDU-Politikerin ein. Zurecht, findet Oliver Scheel. Denn von der Leyens Kritik ist unreflektiert und pauschal.

SPD: "Das ist eine Anklage an sich selbst"

ARCHIV - Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verfolgt am 17.12.2015 im Bundestag in Berlin die Debatte. (zu dpa «Scharfe Kritik an von der Leyens Vorwürfen gegen Bundeswehr» vom 02.05.2017) Foto: Michael Kappeler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Ursula von der Leyen ist mit ihrer Kritik über das Ziel hinausgeschossen.
mkx pzi vge, dpa, Michael Kappeler

Natürlich darf eine Vorgesetzte Untergebene kritisieren. Natürlich darf sie auf Missstände hinweisen. Nur die Art und Weise, wie von der Leyen gegen die eigene Truppe losledert, hat eine ungeahnte Qualität. Motivationsförderung sieht definitiv anders aus.

Und deshalb schießt die Bundeswehr auch zurück - verbal natürlich: Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, kritisierte die Vorwürfe scharf. "Das kann keiner nachvollziehen, wie sich eine Ministerin jetzt sozusagen auf die Tribüne verabschiedet und über ihre Mannschaft urteilt", sagte er dem MDR. Wie solle man das einem Soldaten, der in Mali unter schwierigsten Bedingungen mit nur bedingt guter Ausrüstung Dienst tue, erklären, fragte Wüstner, der von der Leyen vor allem die Verallgemeinerungen ihrer Kritik vorwirft.

"Wer nach drei Jahren im Amt über ein breites Führungsversagen in der Bundeswehr klagt, der klagt sich selbst an", kommentierte SPD-Vize Ralf Stegner im 'Tagesspiegel'.

Von der Leyen zerstört das Vertrauen der Soldaten

Das ist richtig. Schließlich steht sie der Bundeswehr vor, sie ist am Ende verantwortlich für das Handeln der Soldaten. Und sie hat es in ihrer Amtszeit, die immerhin seit 2013 läuft, nicht geschafft, das Problem des Rechtsextremismus aus der Truppe herauszulösen. Das fällt ihr jetzt im Wahlkampf auf die Füße. So klagt auch SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold die Pauschalität ihrer Aussage an: "Das macht mich fassungslos. Jeder rechtschaffene Soldat fühlt sich von ihr beleidigt", sagte er der 'Passauer Neuen Presse'.

Die Ministerin ist in diesen drei Jahren nicht Teil der Bundeswehr geworden. Sie sieht sich als eine Art oberste Instanz, die aber nichts mit den Vorgängen innerhalb der Truppe zu tun haben will. Das ist ein wenig befremdlich, denn gerade die Soldaten wollen spüren, dass sie ob ihres manchmal lebensgefährlichen Auftrags geschätzt werden. Doch von der Leyen war nie dazu in der Lage, diese Nähe aufzubauen.

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Die Bundeswehr ist ohnehin nicht gerade ein beliebter Arbeitgeber

ARCHIV - Ein deutscher Blauhelmsoldat unterhält sich während einer Patrouille am 07.05.2016 in der Stadt Gao im Norden Malis mit einem Kind.    (zu dpa "Bericht: Extremes Klima in Mali legt Bundeswehr-Fahrzeuge lahm" vom 19.04.2017) Foto: Kristin Palitza/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Die Bundeswehr-Soldaten sind auch in Mali im Einsatz.
tba htf tba, dpa, Kristin Palitza

Und jetzt hat sie sich vergaloppiert - das steht fest. Vielleicht wollte sie sich selbst nur aus der Schusslinie nehmen, vielleicht wollte sie ein Fanal gegen Rechts setzen. Das wird ihr Geheimnins bleiben. Fakt ist, sie erntet nun mitten im Wahlkampf mehr Gegenwind als ihr lieb sein kann. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestags missbilligte die scharfe Kritik. Hans-Peter Bartels meinte, "wenn Frau von der Leyen nun sagt, es gebe ein Führungsproblem, dann muss man natürlich sagen: Führung fängt oben an" und verwies darauf, dass die Ministerin in ihrer dreieinhalbjährigen Amtszeit selbst schon die Weichen hätte stellen können.

Denn dass die Bundeswehr Probleme hat, ist kein Geheimnis. Dass die Bundeswehr auch ausrüstungstechnisch nicht auf dem neuesten Stand ist und darüberhinaus nicht als guter Arbeitgeber gilt, ist hinlänglich bekannt. Wie sollen die Probleme bei der Rekrutierung neuer Soldaten behoben werden, wenn die Chefin nun von oben auf das gesamte Lager eindrischt?

Soldat zu sein ist kein Spaß. Daher ist es für die, die das Land verteidigen und zum Teil im Ausland gegen Extremisten kämpfen, das Mindeste, dass die Ministerin ihnen vertraut. Dieses Vertrauen hat von der Leyen völlig ohne Not mit ihrem offenen Brief zerschlagen.