Mit Baku noch eine Rechnung offen: Aserbaidschan-GP wird für Lewis Hamilton kein Spaziergang

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20. Juni 2017 - 12:13 Uhr

Nach dem "Spaziergang" von Montreal ist Lewis Hamilton wieder mittendrin im Formel-1-Titelkampf. Die Pole-Marke von Idol Ayrton Senna ist egalisiert, der Rückstand auf Ferrari-Star Sebastian Vettel beträgt nur noch zwölf Punkte. Die Voraussetzungen vor dem achten WM-Lauf in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku (Sonntag, 15 Uhr live bei RTL) könnten für den Mercedes-Piloten also kaum besser sein - wären da nicht Hamiltons böse Erinnerungen an das Vorjahr.

Hamilton erlebte 2016 in Baku "Radio Gaga live"

Die Premiere der schnellsten Stadtrundfahrt der Welt geriet für den nicht gerade an mangelndem Selbstbewusstsein leidenden Briten zu einer Lehrstunde in puncto Demut und Professionalität. Vor dem ersten Training hatte Hamilton getönt, der Hochgeschwindigkeitskurs mit Spitzengeschwindigkeiten jenseits der 360 km/h sei "ziemlich leicht". Auf eine Begehung der unbekannten Strecke verzichtete er deswegen, ebenso wie auf eine ausgiebige Vorbereitung im Simulator. Die Quittung folgte im Qualifying, als Hamilton seinen Mercedes in die Mauer setzte.

Von Startplatz 10 ging es nur bis auf Rang 5 nach vorne, auch weil Hamilton mit der Einstellung seines Boliden im Rennen überfordert war und verzweifelte Hilferufe an die Box funkte. "Lewis erlebt Radio Gaga live", spottete das englische Boulevardblatt 'The Sun' treffend. Kurzum: Baku 2016 war für Hamilton ein (vermeidbares) Desaster.

Die schnellste Altstadt-Tour der Welt: Der Aserbaidschan-GP im Birdview

Funktioniert die silberne 'Diva' in Aserbaidschan?

Entsprechend geerdet gibt sich der dreimalige Weltmeister vor seinem zweiten Auftritt am Kaspischen Meer. "Baku ist eine ganz andere Strecke als Montreal, sie erinnert an Russland. Das Wochenende wird eine Herausforderung", sagte Hamilton. Damit beginnen die Probleme des 32-Jährigen, denn Ende April in Sotschi bekam der 56-malige Grand-Prix-Sieger seine Reifen nicht ins richtige Fenster, Platz 4 war eine Enttäuschung. Noch schlechter lief es in Monaco, als aus demselben Grund am Ende Rang 7 stand.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff erklärte den 2017er Silberpfeil danach zur Diva und verordnete der Mannschaft in der Fabrik in Brackley Sonderschichten. Der Lohn folgte in Kanada mit dem ersten Silberpfeil-Doppelsieg der Saison durch Hamilton und Valtteri Bottas. Nach der Triumphfahrt von Montreal, die Hamilton im Siegesrausch als "walk in the park" (Spaziergang durch den Park) zusammenfasste, möchte bei den Silberpfeilen aber niemand vom Durchbruch sprechen. "Ich würde nicht sagen, dass das Problem jetzt gelöst ist. Wir haben das Auto aber auf jeden Fall besser verstanden", urteilte Wolff.

Wolff: Bester Lewis aller Zeiten

Zugleich wähnt der Mercedes-Motorsportchef seinen Top-Piloten Hamilton "in der besten Verfassung, in der ich ihn erlebt habe, seit er vor fünf Jahren zum Team gestoßen ist." Damit wäre alles angerichtet für das nächste Duell mit Ferrari-Star Vettel, der sich nach Platz vier von Kanada wie gewohnt ins Private zurückzog. Für den Deutschen sprach bislang, dass er in allen Saisonrennen mit seiner 'Gina' um die Spitze mitfuhr und sogar dreimal gewann.

Deswegen blickt auch Hamilton intensiv auf die Scuderia: "Sie waren bislang enorm konstant. Kanada ist das einzige Wochenende in diesem Jahr, an dem sie nicht das Optimum herausgeholt haben." Für Mercedes werde es dagegen weiter "gute und schlechte Wochenenden" geben, prophezeite der Silberpfeil-Star. Um die bösen Geister aus dem letzten Jahr endgültig zu verscheuchen, wird Hamilton noch mehr denn je in Baku auf ein gutes Wochenende hoffen.