Kontaktpersonen negativ getestet

Friseure infiziert: Masken verhindern Corona-Ausbruch in den USA

© via REUTERS, USA TODAY NETWORK, CLH/

19. Juni 2020 - 11:53 Uhr

Lästige Pflicht brachte wirksamen Schutz

Beim Einkaufen gehen sowie in Bus und Bahn ist eine Mund-Nasen-Bedeckung längst lästige, aber notwendige Pflicht. Doch nicht nur Corona-Skeptiker offenbaren sich im Alltag immer wieder als Masken-Muffel. Selbst der Chef des Gesundheitsamtes in Springfield, Missouri (USA) war zunächst wenig überzeugt. Ein Fall in einem Friseurladen der Stadt zeigt nun aber, wie effektiv Masken eine Infektion hunderter Kunden verhindern konnten.

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Stadt galt als Ort der Masken-Verweigerer

Es hätte ein potenzieller Infektionsherd werden können: In einem Friseurgeschäft der 170.000 Einwohner-Stadt wurden zwei Friseure positiv auf das Corona-Virus getestet. Wie die "Washington Post" berichtet, hatten mindestens 140 Menschen engen Kontakt zu den beiden Infizierten. Rund 200 bis 300 weitere Kunden gelten als zusätzliche mögliche Kontaktpersonen.

Das Brisante: In den Vereinigten Staaten ist das Tragen einer Maske längst zum Politikum geworden. Präsident Donald Trump und andere Republikaner zeigen sich bei öffentlichen Auftritten immer wieder demonstrativ maskenfrei. Auch in Springfield trugen nur wenige Bürger Schutzmasken, wie die örtliche Gesundheitsbehörde gegenüber der Zeitung mitteilte. In der Stadt hatte es nur wenige Corona-Fälle gegeben. Sogar Behörden-Chef Clay Goddard hatte Zweifel an der Wirkung der Schutzmaßnahmen. "Sie haben wahrscheinlich mehr Glück dabei, den Wind zu stoppen", sagte er.

„Die Alarmglocken gingen los“

Doch dann die Kehrtwende: Wie nun bekannt wurde, wurde ein Friseur der Kette "Great Clips" schon Ende Mai positiv auf Covid-19 getestet. Er soll direkten Kontakt zu 84 Kunden gehabt haben. Der Erkrankte hatte trotz Symptomen acht Schichten lang weitergearbeitet. Eine zweite Angestellte wurde ebenfalls positiv getestet. Sie war 56 Kunden nahe gekommen. "Die Alarmglocken gingen los", sagte Goddard mit Blick auf einen potenziellen großen Ausbruch.

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Pflicht nur bei wenigen Dienstleistern

Glück im Unglück: Friseursalons, Nagelstudios und Tattoo-Studios sind in der Stadt die einzigen Orte, an denen Maskenpflicht herrscht. Die infizierten Mitarbeiter trugen Stoffmasken. Auch Kunden hatten Mund und Nase bedeckt. Die freiwilligen Tests der Kontaktpersonen fielen trotz engem Kontakt alle negativ aus. Mittlerweile empfiehlt und trägt der Chef der Gesundheitsbehörde in Springfield Maske – auch bei anderen Einkäufen und Erledigungen.

Forscher: Masken können Ausstoß von Viren reduzieren

Wie deutsche Wissenschaftler Anfang Juni herausfanden, ist der Rückgang von Infektionen tatsächlich auch auf den Gebrauch von Mund-Nasen-Masken zurückzuführen. Masken können demnach den Ausstoß von Viren merklich reduzieren. Zwar funktionieren professionelle OP-Masken besser, aber auch selbstgenähte Modelle haben einen nachweisbaren Nutzen.

Lesen Sie hier, warum Sie trotz vieler Lockerungen nicht auf den Mundschutz verzichten sollten.

Laut einer Umfrage von Ende Mai sind mehr als die Hälfte der Deutschen dafür, die Maskenpflicht beizubehalten oder noch auszuweiten. 81 Prozent der Bürger tragen ihre Masken demnach immer, wenn es vorgeschrieben ist. Nur zwei Prozent verweigern sich der Pflicht.

Wie Sie eine Maske auch ganz einfach selbst nähen können, erfahren Sie hier.

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