Misshandlungsvorwürfe in Heim: Meldestelle gefordert

30. Juni 2020 - 9:00 Uhr

Nach mutmaßlichen Misshandlungen in einem Pflegeheim in Celle hat die Pflegekammer Niedersachsen Veränderungen für die Branche gefordert. "Wenn wir verhindern wollen, dass es so weitergeht, müssen wir endlich handeln", sagte die Präsidentin Nadya Klarmann. Es brauche eine bessere Kontrolle der Heime und eine neue Anlaufstelle für Menschen, die Missstände bemerken. "Viele Angehörige, aber auch Pflegende wissen oft nicht, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können, wenn ihnen Missstände bekannt werden", sagte sie. Es brauche eine neutrale Stelle, die Hinweisen in Zusammenarbeit mit der Heimaufsicht und dem medizinischen Dienst der Krankenversicherung nachgeht.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde in dem Heim zum Beispiel ein Mann mit einer Decke im Bett so festgebunden, dass er sich kaum bewegen konnte. Die Geschäftsführerin der Pflegeheime Muus GmbH, Claudia Muus, zeigte sich "entsetzt über die erkennbaren Missstände", über die sie am 11. Mai informiert worden sei. Sie sprach von einem "nicht akzeptablen Umgang von Pflegepersonal mit Heimbewohnern". Muus hat Strafanzeige gegen drei Mitarbeiter gestellt und diese entlassen. Ein unabhängiger Pflegesachverständiger soll das Heim analysieren, um mögliche weitere Missstände auszuschließen.

"Solche Missstände sind nicht zu akzeptieren", sagte Pflegekammer-Präsidentin Klarmann, die darauf hinwies, dass Fachkräfte grundsätzlich unter oft widrigen Bedingungen hervorragende Arbeit leisten. "Die Rahmenbedingungen unter denen die Pflegefachpersonen ihren Beruf ausüben, sind teilweise unhaltbar", sagte sie mit Blick etwa auf den Personalmangel, die hohe psychische Belastung und die geringe Bezahlung.

Quelle: DPA