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Misshandlungs-Vorwürfe in geschlossenen Kitas in Rostock: Demütigungen sollen an der Tagesordnung gewesen sein

Zwei Kitas in Rostock geschlossen

Prügel-Vorwürfe gegen Erzieher: Eltern hatten bereits seit Jahren einen Verdacht

Missbrauchsvorwürfe gegen Rostocker Kitas Mutter erhebt schwere Vorwürfe
02:11 min
Mutter erhebt schwere Vorwürfe
Missbrauchsvorwürfe gegen Rostocker Kitas

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Im Video: Mutter erzählt, warum sie ihre Tochter aus einer der Rostocker Kitas nahm

Was hat sich wirklich in den beiden Rostocker Kitas „Wiesenzwerge“ und „Gutshaus“ abgespielt? Diese Frage muss nun die Staatsanwaltschaft klären – doch was einige Eltern berichten, ist haarsträubend. Essenszwang, Demütigungen und Kinder, die in eingenässten Betten liegen mussten, sollen an der Tagesordnung gewesen sein. Die Zustände haben dazu geführt, dass einige Eltern bereits vor der offiziellen Schließung durch die Stadt ihre Kinder aus den Kitas nahmen – die Gründe dafür erzählt eine betroffene Mutter im Video.

Eingerissene Mundwinkel, weil Kind zum Essen gezwungen wurde?

Jedes Mal, wenn sie ihre Tochter in die Kita habe bringen wollen, habe diese geschrien und um sich geschlagen. Vor manchen Erziehern und Erzieherinnen sei ihre Tochter zurückgewichen, erzählt uns Denise M. (Name von der Redaktion geändert). Eines Tages dann der Höhepunkt: Das Mädchen kommt mit eingerissenen Mundwinkeln nach Hause. „Ich muss immer alles essen, obwohl ich das nicht will. Der Löffel wird mir ganz doll in den Mund geschoben“, erzählt die Kleine ihren Eltern. Offenbar wurde sie zum Essen gezwungen. Da ist für Denise M. klar: Ihr Kind muss raus aus dieser Kita.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Mitarbeiter der Kitas konkret in drei Fällen wegen Körperverletzung sowie in 16 Fällen wegen Verstößen gegen die Fürsorgepflicht. Die Vorfälle sollen sich zwischen 2015 und 2019 zugetragen haben, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Stadt Rostock ermittelt erst seit Mai 2019 gegen die Kitas

Auch andere Eltern berichten von Vorfällen dieser Art. Und wollen sogar schon 2013 das Jugendamt darauf aufmerksam gemacht haben – das daraufhin nichts unternommen haben soll. Die Stadt Rostock ermittelt nach eigenen Angaben erst seit Mai 2019, nachdem man mehrfach Hinweise auf die Zustände bekommen haben soll. Man sei zwar davor schon auf Missstände aufmerksam gemacht worden, so Rostocks Sozialsenator Steffen Bockhahn, doch die Hinweise seien nicht von „ausreichender Qualität“ gewesen, um etwas zu unternehmen. Erst jetzt, nachdem man mehrfach angekündigte und unangekündigte Kontrollen vorgenommen habe, sei man zu dem Entschluss gekommen, die Kitas zu schließen.

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Eltern wehren sich gegen Kita-Schließung und hängen Plakate auf

Plakat vor einer Kita in Rostock
Einige Eltern haben Plakate gegen die Schließung der Rostocker Kitas aufgehängt.
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Einige Eltern wehren sich jetzt allerdings gegen die Schließung der Kitas. Sie haben Plakate vor der Kita aufgehängt, auf denen sie die Wiedereröffnung fordern. „Wir wollen bleiben! Unsere Kinder fühlen sich hier wohl!“ steht darauf. Im Interview mit RTL erzählen einige Eltern, dass sie nie Negatives mitbekommen hätten - im Gegenteil. Ihr Kind hätte erst dort richtig gelernt, trocken zu werden, so eine Mutter.

Auch die Stadt berichtet, dass es von einigen Eltern Beschwerden über die Schließungen gebe. "Selbstverständlich gibt es auch Eltern, die ihre Kinder gern dorthin geschickt haben. Aber es gibt eben auch eine ganze Reihe von Eltern, die uns auch heute noch gesagt haben: 'Gut, dass Sie gehandelt haben. Wir möchten Ihnen noch Dinge berichten, die hier passieren'", sagte Sozialsenator Bockhahn dem NDR.

Die knapp 80 Kinder sind mittlerweile auf vier andere Einrichtungen verteilt worden. Ob ihre alten Kitas jemals wiedereröffnen dürfen, ist unklar.