Misshandlungen in Kita in Ahrweiler? Prozessbeginn: "Wie kann man kleinen Kindern sowas antun?"

09. Mai 2018 - 11:17 Uhr

Kein Schutz für Schutzbefohlene

Der Kindergarten oder die Kindertagesstätte sollten Orte voller Vertrauen, Anteilnahme und vor allem Schutz und Sicherheit sein. Denn Kita oder Kindergarten sind keine Einrichtungen, an die Eltern ihre Kinder abschieben, sondern Plätze in deren Obhut sie sie geben. Der temporäre Ersatz für das sichere Zuhause. Darauf wollen und müssen sich Eltern verlassen können. Kinder gelten nicht umsonst als 'Schutzbefohlene'.

Vertrauen der Eltern schwer erschüttert

Der Kindergarten 'Regenbogen' in Ahrweiler – davon ist die Anklage im Prozess in Koblenz gegen vier Erzieherinnen sicher – soll eine Einrichtung sein, die das Vertrauen der Eltern nachhaltig erschüttert hat. Dort fanden sie laut Staatsanwaltschaft nicht den selbstverständlichen Schutz, sondern das Gegenteil, sie gerieten an einen Ort, vor dem man sie hätte schützen müssen.

Drei der in Koblenz angeklagten Erzieherinnen sollen zwischen Februar 2012 und November 2013 unruhige Kinder an Stühle gefesselt, in zu kleine Hochstühle gezwängt oder ihnen gar den Mund zugeklebt haben. Kinder, die ihr Essen ausgespuckt hätten, sollen in abgedunkelte Räume gesperrt, geschlagen oder anderweitig gezwungen worden sein, das Essen erneut in den Mund zu nehmen und herunterzuschlucken. Die vierte Erzieherin ist angeklagt, weil sie nicht dagegen einschritt. ​

Mutter kocht vor Wut: "Wie kann man kleinen Kindern sowas antun?"

08.05.2018, Rheinland-Pfalz, Koblenz: Die Nebenklägerin und betroffene Mutter Irina Enting betritt das Landgerichtsgebäude in Koblenz vor dem Prozess gegen vier ehemalige Erzieherinnen der Kita Antweiler wegen mutmaßlicher Misshandlungen.
Die Nebenklägerin und betroffene Mutter Irina Enting beim Prozess gegen die Erzieherinnen
© dpa, Thomas Frey, tfr htf

Und so fragt eine Mutter, die auch als Nebenklägerin auftritt: "Wie kann man kleinen Kindern sowas antun?" "Es kocht wieder Zorn in einem hoch." Irina Enting hat fünf Jahre auf diesen Tag gewartet.

Die Anklage spricht von Misshandlung Schutzbefohlener, Freiheitsberaubung und Nötigung, die Verteidigung von einer Hexenjagd und einer Kampagne, die von einer "bestimmten Person" losgetreten wurde. Die Erzieherinnen schweigen. Was wirklich in dem Kindergarten passiert ist, soll bis zum 12. Juli geklärt werden.