Urteil gegen Erzieherinnen aus Antweiler Kita: Hauptangeklagte bekommt Geldstrafe

05. September 2018 - 20:12 Uhr

Prozess am Landgericht Koblenz

Gefesselte Kinder, eingesperrt, in Hochstühle gequetscht, zum Essen gezwungen: In einer Dorf-Kita sollen vier Erzieherinnen Kinder auf unglaubliche Weise gequält haben. Das Landgericht Koblenz hatte zwei Frauen bereits aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Heute ist das Urteil gegen die Erzieherin Claudia W. gefallen, gegen die einstige Kita-Leiterin Gisela N. wird weiter vermittelt.

Hauptangeklagte bekommt Geldstrafe

Betroffene Eltern haben auf diesen Prozess lange gewartet – schon vor fünf Jahren hatten die mutmaßlichen Misshandlungen im Kindergarten Regenbogen in Antweiler im Kreis Ahrweiler bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Beim Prozessauftakt am 8. Mai schwiegen die ursprünglich vier angeklagten Ex-Erzieherinnen zu den Vorwürfen. Bei dem heutigen Prozess wurde die Hauptangeklagte Claudia W., die heute in einer anderen Kita arbeitet, wegen Freiheitsberaubung und Nötigung in vier Fällen schuldig gesprochen. Sie habe den Kindern die Wangen zusammengepresst und den Kopf nach hinten gedrückt. Ein kleiner Junge habe sich übergeben und weiteressen müssen. Sie wurde nun zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 60 Euro, also 9.000 Euro verurteilt.

Das Verfahren gegen die zweite Angeklagte, die einstige Kita-Leiterin von Antweiler, wurde abgetrennt. Bei ihr soll auf Antrag der Verteidigung erst ein neues Gutachten klären, ob sie seinerzeit womöglich wegen einer psychischen Erkrankung nicht fähig gewesen war, die Taten ihrer Kollegin zu verhindern. Ihr Verfahren soll erst im Oktober enden.

Ursprünglich waren mehr Fälle von Misshandlung angeklagt

Die Hauptangeklagte brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Ihr Verteidiger Ernst Angsten kündigte Revision an. Ursprünglich waren viel mehr Fälle von Misshandlung angeklagt. Sie ließen sich aber nicht beweisen, weil sie alleine von Kindern bezeugt werden konnten, die laut eines Gutachtens nicht mehr klar zwischen eigenen Erinnerungen und späteren Nachfragen von Erwachsenen zu unterscheiden vermochten.