Wird Chrystul Kizer freigesprochen?

Missbraucht und zur Prostitution gezwungen: 17-Jährige erschießt ihren Peiniger

Chrystul Kizer soll ihren 17 Jahre älteren Peiniger Randy Volar getötet haben. Dafür könnte die junge Frau lebenslang ins Gefängnis wandern oder freigesprochen werden.
Chrystul Kizer soll ihren 17 Jahre älteren Peiniger Randy Volar getötet haben. Dafür könnte die junge Frau lebenslang ins Gefängnis wandern oder freigesprochen werden.
© Kenosha County Sheriff

20. Dezember 2019 - 23:23 Uhr

Mutmaßlicher Pädophiler zwang das Mädchen zum Sex

Chrystul Kizer war 16 Jahre alt, als sie den 33-jährigen Randy Volar kennenlernte. Der Mann missbrauchte das Mädchen mehrmals und filmte die Taten. Im Juni 2018 soll das Mädchen dann zu seinem Haus gefahren sein und ihren mutmaßlichen Peiniger erschossen haben. Danach zündete sie die Leiche an und floh in Volars Auto, wie die "Washington Post" berichtet. Nun muss sich die inzwischen 19-Jährige vor Gericht verantworten. Sie könnte wegen des Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Weil Chrystul im US Bundesstaat Wisconsin vor Gericht steht, könnte der Prozess aber auch mit einem Freispruch enden.

Gesetz in Wisconsin könnte Chrystul vor dem Gefängnis bewahren

Der getötete Volar soll nicht nur Chrystul, sondern auch andere minderjährige Mädchen missbraucht haben. Nach der Tat sagte sie aus, dass der Mann sie auch für Sex an andere Männer verkauft habe. Genau das könnte die junge Frau nun vor einem Leben hinter Gefängnismauern retten, denn in Wisconsin gibt es ein Gesetz, das Opfer von Sexhandel schützen soll. Wenn das Opfer beweisen kann, dass es eine bestimmte Tat nur verübt hat, weil es zur Prostitution gezwungen wurde, können die Vorwürfe gegen das Opfer aufgehoben werden.

Das Gesetz wurde noch nie im Falle eines Tötungsdeliktes angewendet. Und die Anklage meint außerdem, dass die damals 17-Jährige die Tat geplant habe, wie der Sender ABC berichtet. Sie sei nicht in Lebensgefahr gewesen und sei zum Zeitpunkt der Tat auch nicht zur Prostitution gezwungen worden.

Volar verkaufte Chrystul auch an andere Männer

Chrystul sieht das anders. Sie hat gestanden Volar umgebracht zu haben, weil sie den jahrelangen Missbrauch nicht mehr ausgehalten habe, sagt sie. Sie lernte ihn über ein Portal im Internet kennen, über das Mädchen sexuelle Dienste anbieten. Eine ältere Freundin hatte Chrystul die Seite gezeigt, erzählte sie der Washington Post. Sie wollte sich ein bisschen was dazuverdienen. Volar war der erste Mann, den sie traf. Er machte ihr Geschenke, ging mit ihr einkaufen und gewann so ihr Vertrauen.

Als Gegenleistung forderte er Sex. Das schulde sie ihm. Dann habe er sie auch an andere Männer verkauft. Er forderte immer mehr und nötigte Chrystul Dinge zu tun, die sie gar nicht wollte. Monatelang sei das so gegangen, bis sie sich eines Abends gewehrt hätte.

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Online-Petition fordert Chrystuls Freilassung

Gegen Volar wurde offenbar schon wegen Kindesmissbrauch ermittelt. Vier Monate vor seinem Tod durchsuchte die Polizei das Haus des mutmaßlichen Pädophilen, wie die "Washington Post" schreibt. Der Mann wurde festgenommen, aber aus irgendeinem Grund wieder freigelassen, obwohl die Ermittler laut der Zeitung hunderte kinderpornografische Videos bei ihm gefunden hatten, darunter wohl auch 20 selbstgedrehte Pornos, auf denen Volar mit minderjährigen schwarzen Mädchen zu sehen gewesen sei. Zu einem Prozess gegen ihn kam es nicht mehr, weil Chrystul ihn vorher erschossen hat.

Nun muss sich die junge Frau vor Gericht verantworten, weil sie ihren mutmaßlichen Peiniger getötet hat. Der Prozess gegen sie startet im Februar 2020. Schon jetzt haben rund 27.450 Menschen (Stand 20.12.) eine Onlinepetition unterschrieben, die Chrystuls Freilassung fordert. Darin wird der zuständige Richter aufgefordert, "das Richtige zu tun und alle Vorwürfe fallen zu lassen", damit die 19-Jährige nicht noch mehr erleiden müsse als ohnehin schon.