Sexuelle Aufnahmen im Online-Chat

Missbrauchsvideos verbreitet: Südkoreaner muss 40 Jahre in den Knast

26. November 2020 - 20:18 Uhr

Opfer angelockt und bedroht

In einem Prozess um erpresste sexuelle Aufnahmen von Mädchen und Frauen in einem Online-Chat in Südkorea ist der Drahtzieher zu einer Haftstrafe von 40 Jahren verurteilt worden. Das Bezirksgericht in Seoul befand den 25-jährige Betreiber des Chat-Rooms "Baksabang" am Donnerstag für schuldig, als Kopf eines Erpresserrings sexuell ausbeuterische Inhalte verbreitet zu haben, die er dadurch erzeugt habe, dass er seine Opfer angelockt und bedroht habe. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich gefordert. Gegen fünf Komplizen einschließlich eines 16-jährigen Teenagers wurden Berichten südkoreanischer Sender zufolge Strafen von sieben bis 15 Jahren verhängt. Mehr dazu im Video.

Angeklagter zeigte keine Reue

Der Haupttäter müsse wegen "der Schwere seiner Verbrechen, der großen Zahl der Opfer und des ihnen zugefügten Schadens" sowie des "bösartigen Einflusses" lange Zeit aus der Gesellschaft verbannt werden, wurde das Gericht von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. Auch habe er keine Reue gezeigt. Der Hauptangeklagte verstieß demnach unter anderem gegen Gesetze zum Schutz von Minderjährigen.

Missbrauchsfall schlug in Südkorea hohe Wellen

Der Fall löste in Südkorea einen öffentlichen Aufschrei aus. Im März hatte die Polizei den Namen des Hauptverdächtigen veröffentlicht, nachdem Millionen von Menschen entsprechende Petitionen unterzeichnet hatten. Laut Polizei wurden mindestens 74 Frauen – darunter 16 Minderjährige – über mehrere Monate hinweg Opfer sexueller Ausbeutung und Gewalt.

Bilder und Videos über Messengerdienst Telegram verkauft

Die Täter lockten sie demnach mit gefälschten Stellenanzeigen an und verlangten Nacktfotos und anderes Bildmaterial. Danach sollen sie gedroht haben, diese Bilder zu veröffentlichen, wenn sie nicht weiteren Aufnahmen mit erniedrigenden Darstellungen zustimmten. Die pornografischen und gewaltverherrlichenden Bilder und Videos wurden bis zum Februar dieses Jahres an Tausende Kunden über den Messengerdienst Telegram verkauft. Die Ermittler schätzten, dass der betreffende Chat etwa 10 000 Mitglieder hatte.