Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen

Missbrauchsverdacht: Solinger Vater auf FKK-Campingplatz festgenommen

Missbrauchsverdacht in  Solingen
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Missbrauchsverdacht in Solingen

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Spuren aus Kinderpornos führten zu ihm

Wer gräbt, der wird auch etwas finden – davon ging der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul schon aus, bevor die Ermittlungen im Bereich Kindesmissbrauch verstärkt wurden. Jetzt sind die Ermittler auf einen weiteren Fall gestoßen. Ein 38-jähriger Familienvater aus Solingen ist im Urlaub auf einem Campingplatz bei Köln festgenommen worden, weil er seine Tochter missbraucht haben soll. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft in Wuppertal am Mittwoch mitgeteilt.

So kamen die Ermittler dem Familienvater auf die Spur

Bereits im Oktober 2019 hätten Ermittler des Bundeskriminalamts ein kinderpornografisches Bild im Internet entdeckt - und die Ermittlungen aufgenommen. Eine Identifizierung des abgebildeten Kindes sei nicht möglich gewesen, die Spuren hätten aber zu einer Adresse in Solingen geführt.

Im Dezember 2019 sei die Wohnung des 38-Jährigen durchsucht worden. Bei der Auswertung der sichergestellten Datenträger sei am Dienstag ein Foto aufgefallen, das den Verdacht ergab, der 38-Jährige könnte sich an seiner inzwischen zwölf Jahre alten Tochter vergangen haben.

So kamen die Ermittler dem Solinger auf die Spur Ulrich Klose zum Missbrauchsfall
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Ermittler stellten den Vater auf einem FKK-Campingplatz

Um das Mädchen vor möglichen weiteren Übergriffen zu schützen, schlugen die Ermittler sofort zu. Die Familie befand sich gerade auf einem FKK-Campingplatz in Rösrath. Die Kinder - die Tochter und ein neunjähriger Sohn - wurden vom Jugendamt in Obhut genommen. Die Eltern wurden festgenommen. Die Mutter kam nach der Vernehmung durch die Polizei aber wieder auf freien Fuß. Ob sie etwas von dem Missbrauch ihrer Tochter wusste, ist bisher unklar.

Anschließend sei der Campingplatz aufwendig nach Spuren abgesucht worden. Auto und Wohnwagen der Familie wurden sichergestellt. Sogar die Steinplatten des Stellplatzes seien Mithilfe der Feuerwehr angehoben worden, teilte die Polizei mit. Die Ermittler wollten offenbar sichergehen, dass ihnen keine möglichen Beweise entgehen.

Parallel wurde laut Polizei erneut die Wohnung der Familie in Solingen durchsucht. Wieder seien verschiedene Datenträger sichergestellt worden. Der 38-Jährige soll nun einem Haftrichter vorgeführt werden.

Brauchen wir härtere Strafen für Kindesmissbrauch?

Die Polizei in NRW kämpft derzeit verstärkt gegen Kindesmisssbrauch an – einer der derzeit bekanntesten Fälle ist der jahrelange Missbrauch auf einem Campingplatz in Lüdge. "Für mich ist sexueller Missbrauch wie Mord. Damit wird das Leben von Kindern beendet - nicht physisch, aber psychisch", erklärte Innenminster Reul. Er forderte härtere Strafen für Kindesmissbrauch. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erteilte dem aber eine Absage. Statt härterer Strafen, sei es wichtig, die Ermittler besser auszustatten, meint sie.

Kinderpornografie als Verbrechen einzustufen und nicht mehr als Vergehen, sei schon vor rund einem Jahr - im Juli 2019 - bei der Innenministerkonferenz beschlossen worden. „Bei der Konferenz im darauf folgenden Dezember haben wir es dann noch einmal bekräftigt. Und ich muss schon sagen: Dass die Bundesjustizministerin da nicht aus dem Quark kommt, ist ärgerlich“, kritisierte Reul.