News
Aktuelle Nachrichten, Schlagzeilen und Videos

Missbrauchsprozess in Freiburg: Jetzt stehen Christian L. und seine Lebensgefährtin vor Gericht

Unfassbar: Paar verkaufte Kind für Sex
Unfassbar: Paar verkaufte Kind für Sex Prozess vor Freiburger Landgericht beginnt am 11.6. 01:01

Neunjähriger wurde im Internet an Pädophile "vermietet"

Angeklagte und Zeugen nennen das Kind vor Gericht nur "den Jungen". Seinen Namen benutzt keiner. Nicht um ihn zu schützen, sondern weil er für sie einfach keine Rolle spielte. Genauso wurde der Neunjährige von seinen Peinigern behandelt - nicht wie eine Person, sondern eher wie ein Gegenstand, mit dem man machen kann, was man will. In Freiburg geht die juristische Aufarbeitung eines unfassbaren Missbrauchsfalls in die entscheidende Runde. Die Mutter des Jungen muss sich jetzt zusammen mit ihrem Lebensgefährten vor dem Landgericht Freiburg verantworten. Sie hatten den Jungen missbraucht und übers Internet auch an andere Männer verkauft. Welche Mutter tut ihrem Kind so etwas an? 

Christian L. ist der Hauptangeklagte in dem Missbrauchsprozess

Dass die Polizei dem Pädophilenring überhaupt auf die Spur kam, ist nur einem anonymen Hinweis zu verdanken. Am 10. September 2017 bekamen die Ermittler den Tipp, am 16. September klickten die Handschellen. Neben dem Hauptverdächtigen Christian L. und der Mutter wurden noch sechs weitere Männer verhaftet, die den Jungen "gemietet" haben sollen – manchmal tagelang oder übers Wochenende. "Dazwischen haben wir gelebt wie eine ganz normale Familie", erklärte der Hauptangeklagte. Im Video sehen Sie die ganze Geschichte des unfassbaren Falls.

Drei Männer, die den Neunjährigen gegen Geld missbraucht haben sollen, wurden schon verurteilt. Ein Spanier kommt Ende Juli vor Gericht, gegen einen Schweizer wird noch verhandelt und gegen einen Deutschen startet der Prozess zeitgleich mit dem Hauptprozess in Freiburg.

Das Kind wurde mindestens zwei Jahre lang immer wieder gedemütigt, vergewaltigt und gequält. Die Mutter unternahm nichts, um ihren Sohn zu schützen. Sie soll bei den Taten immer dabei oder zumindest in Hörweite gewesen sein. Laut Anklage ließ sie die Männer und ihren Lebensgefährten einfach machen. Manchmal beteiligte sie sich auch und missbrauchte ihr Kind sogar selbst. Auch ihre Motive seien sexueller Art gewesen, sagte Christian L. in einem anderen Prozess. "Sie war mir hörig. Das habe ich teilweise ausgenutzt."

Christian L. ist ein vorbestrafter Sexualstraftäter

Für seine Taten scheint der 39-Jährige sich nicht zu schämen. "Ich habe Scheiße gebaut", sagte er ohne große Reue. Dass er als vorbestrafter Sexualstraftäter überhaupt mit einem Kind unter einem Dach leben konnte, ist der eigentliche Skandal. Der Junge wurde sogar zeitweise aus der Familie genommen, weil die Behörden Hinweise hatten, dass etwas nicht stimmte. Ein Gericht beschloss aber, ihn wieder in die Obhut seiner Mutter zu geben – unter der Bedingung, dass Christian L. keinen Kontakt mehr zu dem Grundschüler hatte. Aber weder das Gericht, noch das Jugendamt kontrollierten, ob der sich auch an die Auflage hielt.

Der Neunjährige kam erst einmal in Staatliche Obhut, nachdem die Polizei ihn aus diesem Albtraum befreit hatte. Inzwischen ist er an einem geheimen Ort untergebracht. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut, berichtete Opferschutz-Anwältin Katja Ravat, "wobei man allerdings derzeit schlecht absehen kann, wie sich sein psychisches Wohlbefinden und seine Stabilität noch entwickeln wird". Im Auftrag des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald wacht eine Berliner Anwaltskanzlei darüber, dass die Identität des Neunjährigen nicht an die Öffentlichkeit kommt, damit für den Jungen endlich ein bisschen Ruhe einkehrt.

Mehr News-Themen