Bei Zerstörung der Behausung von Andreas V. auf Campingplatz

Missbrauchshölle in Lügde: Abrissunternehmen findet Datenträger

12. April 2019 - 21:37 Uhr

Tatort offiziell von Polizei freigegeben

Bei den Abrissarbeiten an der Behausung von Andreas V. auf dem Campingplatz in Lügde, wo der Beschuldigte jahrelang dutzende Kinder sexuell missbraucht und dabei aufgenommen haben soll, sind weitere Datenträger aufgetaucht. Das Abrissunternehmen fand zwei CDs und zwei Disketten in Hohlräumen des Wohnwagens, wie Polizei und Staatsanwaltschaft nach Recherchen von SZ, NDR und WDR bestätigten. Die Polizei hatte den Tatort vor Beginn der Abrissarbeiten freigegeben. Für NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sind die Funde dennoch keine Überraschung, wie er im Video oben erklärt.

„Zerstörung kam bei Durchsuchungen nicht in Betracht“

Am Donnerstag fand das Abrissunternehmen bei der Zerstörung der Behausung auf dem Campingplatz nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine CD und zwei Disketten. Eine weitere CD sei am Freitag "im Schutt des mit schwerem Gerät zerstörten Wohnwagens" gefunden worden.

"Dadurch erklärt sich, dass diese Gegenstände mit den bei einer Durchsuchung zulässigen Mitteln, insbesondere auch nicht mit Hilfe des Datenträgerspürhundes, aufgefunden werden konnten", so die Staatsanwaltschaft. Eine Zerstörung der Behausung sei bei den Durchsuchungen aus rechtlichen Gründen nicht in Betracht gekommen. Das Abrissunternehmen übergab die Datenträger der Polizei.

Auswertung der Datenträger folgt

NRW-Innenminister Herbert Reul im RTL-Interview im Düsseldorfer Landtag zum Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde
NRW-Innenminister Herbert Reul im RTL-Interview zum Fall Lügde
© RTL

Nach den Funden ist ein Ermittlerteam des Polizeipräsidiums Bielefeld auf dem Campingplatz vor Ort, wie die Polizei mitteilte. Obwohl sich weder Polizei und Staatsanwaltschaft noch Innenminister Reul von den Funden überrascht zeigten, waren bei den Abrissarbeiten zuvor offenbar keine Ermittler zugegen.

In dem Wohnwagen hatten die Ermittler bis zur Freigabe zum Abriss Festplatten und andere Datenträger mit rund 3,3 Millionen Bildern und fast 86 300 Videos sichergestellt. 155 CDs und DVDs waren dann aus der Obhut der Polizei verschwunden, woraufhin die Staatsanwaltschaft Detmold ein Strafverfahren gegen Unbekannt eingeleitet hatte.

Wenn sich durch den Fund neue Beweismittel ergeben, sollen diese Gegenstand der gerichtlichen Beweisaufnahme werden. Minister Reul hält relevante Beweise auf den Datenträgern für deutlich wahrscheinlicher als Musik berühmter Komponisten, wie er im Video oben berichtet.