Missbrauchsfall von Lügde

Die Schuld der Jugendämter auf dem Prüfstand

Untersuchungsausschuss zum Kindesmissbrauch in Lügde.
Untersuchungsausschuss zum Kindesmissbrauch in Lügde.
© dpa, Guido Kirchner, gki

31. Januar 2020 - 7:24 Uhr

Es geht um schwere Versäumnisse der Behörden

Der monströse Missbrauchs-Fall von Lügde ist am Freitag Thema im nordrhein-westfälischen Landtag. Drei Zeugen, die dem verurteilten Haupttäter Andreas V. (56) begegnet sind, berichten vor dem Untersuchungsausschuss von ihren Beobachtungen. Es geht um schwere Versäumnisse der Behörden. 

U-Ausschuss will Versäumnisse durchleuchten

Der Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags zum Thema Kindesmissbrauch beginnt am Freitag mit Zeugenvernehmungen. Das Gremium durchleuchtet seit September 2019, inwieweit Fehleinschätzungen oder Versäumnisse von Regierungsstellen oder Behörden den massenhaften und jahrelangen sexuellen Missbrauch auf einem Campingplatz im lippischen Lügde begünstigt haben. Das Landgericht Detmold hatte im vergangenen Herbst langjährige Freiheitsstrafen und Sicherungsverwahrung gegen die Haupttäter verhängt.

Vater und AWO-Mitarbeiter sollen vernommen werden

Zwei der geladenen Zeugen sind für die Familienhilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Höxter tätig, wie der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Andreas Kossiski, mitteilte. Die AWO soll demnach auf dem Campingplatz mindestens acht Hausbesuche bei dem Täter gemacht haben, bevor dessen Pflegetochter im November 2018 in Obhut genommen wurde.

Bei dem dritten Zeugen handele es sich um einen Vater zweier kleiner Mädchen, dem der zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilte Camper Andreas V. zufällig bei einem lokalen Grillfest begegnet sei. Dem Vater sei das Verhalten von Andreas V. gegenüber seinen Töchtern und anderen kleinen Mädchen sonderbar vorgekommen, berichtete Kossiski. Der Vater soll seine Beobachtungen dem Jugendamt und dem Kinderschutzbund des niedersächsischen Landkreises Hameln-Pyrmont sowie der Polizei in Blomberg gemeldet haben.

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Verantwortung der Polizisten und Ämter

Ob der Fall Lügde strafrechtliche Folgen für Polizisten und Mitarbeiter von Jugendämtern in NRW und Niedersachsen haben wird, ist noch offen. Vor zwei Wochen hatten eine Kinderschützerin und ein Sozialpsychologe als Sachverständige im Ausschuss das Leid der Opfer sexualisierten Kindesmissbrauchs erläutert.

Doku zum Missbrauchsskandal jetzt auf TVNOW

In der TVNOW-Doku spricht RTL-Reporter Wolfram Kuhnigk mit einer Mutter, deren Kinder Opfer von Andreas V. wurden. Achtmal musste die Frau mit den Kindern zur Polizei, wo ihr auch davon abgeraten wurde, die Kinder vor Prozessbeginn eine Therapie anfangen zu lassen. Was die Familie seitdem durchgemacht hat – in der TVNOW-Doku.

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