Versäumnisse bei Polizei und dem Jugendamt?

Missbrauchsfall Lügde: Ex-Landrat räumt laut Bericht Behördenfehler ein

Der Campingplatz in Lügde. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild
Der Campingplatz in Lügde. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild
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12. Mai 2021 - 12:35 Uhr

Schriftliche Aussage

Im Fall des hundertfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im lippischen Lügde soll der Ex-Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont schwere Fehler der Behörden zugegeben haben. Das berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (Mittwoch). Tjark Bartels sehe demnach ein Versagen beim Kreisjugendamt in Hameln, werfe aber auch der Polizei und dem Jugendamt im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe Versäumnisse vor. Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berief sich auf die schriftliche Aussage des früheren Landrats und SPD-Politikers vor dem Lügde-Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags.

Offenbar "oberflächliche und falsche Prüfung“ der Hinweise

Der Ex-Landrat schrieb demnach: "Es hätte im Jugendamt Hameln-Pyrmont und wohl auch an verschiedenen anderen Stellen durch korrekte und angemessene Bearbeitung der eingehenden Hinweise durchaus die Möglichkeit gegeben, das Pflegekind und die anderen betroffenen Kinder besser zu schützen". Außerdem soll er eine "oberflächliche und falsche Prüfung" der Hinweise kritisiert haben, warf aber offenbar auch der Polizei und dem Jugendamt in Lippe vor, trotz aller Hinweise zu keinem Zeitpunkt eingeschritten zu sein: "Es ist für mich schwer vorstellbar, dass (zumal auf einem Campingplatz) niemand je etwas bemerkt hat."

Zwei Männer verurteilt

Das Landgericht Detmold hatte im Herbst 2019 im Missbrauchsfall Lügde zwei Männer zu langjährigen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen hatten sie 32 Kinder jahrelang schwer sexuell missbraucht.

Quelle: DPA/RRI

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