2019 M02 21 - 20:45 Uhr

Beweismaterial seit mehreren Wochen verschwunden

Im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz bei Detmold ist seit mehreren Wochen Beweismaterial verschwunden. Ein Koffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern werden vermisst, teilte der NRW-Innenminister Herbert Reul mit. Deshalb wurden jetzt vier Sonderermittler eingesetzt, um das Verschwinden aufzuklären.

Innenminister spricht von Polizeiversagen

Die Beamten bemerkten am 30. Januar, dass das Material fehlt. Bisher wurden drei CDs ausgewertet. Ob auf den Datenträgern mit 0,7 Terabyte Speicherplatz auch kinderpornografisches Material war, ist unklar. "Man muss hier von Polizeiversagen sprechen", sagte Reul. Der größte Teil von 15 Terabyte Filmmaterial war von der Polizei bereits gesichtet worden. Im Video zeigt sich NRW-Innenminister Reul erschrocken.

Bislang 31 minderjährige Opfer identifiziert

In Lügde sitzen ein 56-Jähriger Hauptverdächtiger, ein 33-Jähriger aus Steinheim und ein 48-jähriger aus Stade in Niedersachsen in Untersuchungshaft. Sie sollen Kinder auf einem Campingplatz missbraucht und Kinderpornografie verbreitet haben.

Bislang sind 31 minderjährige Opfer im Alter zwischen vier und 13 Jahren indentifiziert. Sie kommen größtenteils aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Mehrere Jugendämter und Polizisten stehen in der Kritik

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine Anzeige im November 2018. Mehrere Jugendämter und auch die Polizei stehen in der Kritik. Gegen zwei Beamte wird wegen Strafvereitelung ermittelt. Laut Reul wird geprüft, ob sie die Täter sogar vielleicht persönlich kannten. Warum die Daten aus dem Raum in der Polizeibehörde Lippe verschwunden sind, ist bisher unklar.

Bereits 2016 sollen zwei Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei der Polizei Lippe eingegangen sein. Die Beamten sollen die Hinweise an das Jugendamt weitergeleitet haben, weitere Ermittlungen gab es nicht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Polizei. Bei einem weiteren Beamten besteht der Verdacht, dass er für einen der drei Hauptverdächtigen Daten gelöscht haben könnte, um so eine Bestrafung zu verhindern.