Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach

Angeklagte wegen Kindesmissbrauchs zu langen Haftstrafen verurteilt

11. September 2020 - 20:28 Uhr

Missbrauch Bergisch Gladbach: Urteile gesprochen!

"Wie Sexspielzeug" hätten die Angeklagten Marc T. und Georg W. die Kinder getauscht. Das sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Mönchengladbach. Das Landgericht verhängte gegen die Männer aus Krefeld und Viersen am Freitag Freiheitsstrafen von dreizehneinhalb und vierzehneinhalb Jahren wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs sowie Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Schriften.

Der Krefelder hatte in dem Verfahren gestanden, zunächst seine heute elfjährige Tochter und gemeinsam mit dem Viersener vom Frühjahr 2017 an auch dessen mittlerweile zwölfjährige Nichte regelmäßig schwer sexuell missbraucht zu haben. Der 39-jährige aus Viersen dagegen hatte zwar eingestanden, seit 2015 seine Nichte missbraucht zu haben. Er räumte aber nur ein Drittel der angeklagten Fälle ein. Zum Vorwurf des gemeinschaftlichen Missbrauchs schwieg er. Über 100 Fälle waren angeklagt. Es war der erste Prozess zum Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach.

Staatsanwältin: Kinder wie "Sexspielzeug" getauscht

Den beiden Angeklagten aus Krefeld und Viersen wurden schwerer sexueller Kindesmissbrauch in über 100 Fällen sowie die Herstellung, Verbreitung und der Besitz kinderpornografischer Schriften vorgeworfen. Teils begangen sie die Taten gemeinsam. Die Staatsanwältin hatte für den 39-jährigen Krefelder eine Haftstrafe von 13 Jahren und neun Monaten gefordert. Der ebenfalls 39 Jahre alte Angeklagte aus Viersen soll für vierzehneinhalb Jahre ins Gefängnis.

Die Angeklagten hätten "die Kinder getauscht wie Sexspielzeug", sagte die Staatsanwältin. Sie hätten eine Atmosphäre der Angst und Einschüchterung geschaffen. Dazu hätten sie ein System mit Geld- und Sachgeschenken eingeführt, das gezielt auf Belohnung und Gewöhnung der Kinder ausgerichtet war.

Pädophile hatten die Tat gestanden

Der Krefelder hatte bereits nach seiner Festnahme im November vergangenen Jahres umfassend gestanden, seine heute elfjährige Tochter seit 2016 regelmäßig schwer sexuell missbraucht zu haben. Vom Frühjahr 2017 an soll er gemeinsam mit dem Mitangeklagten auch dessen jetzt zwölfjährige Nichte regelmäßig schwer sexuell missbraucht haben. Durch das Geständnis hat er den Kindern eine Aussage vor Gericht erspart.

Der mitangeklagte Viersener gab nur zu, sich seit 2015 zum Teil massiv an seiner Nichte vergangen zu haben - und das auch nur in einem Drittel der angeklagten Fälle. Der Strafprozess hatte am 29. April begonnen.

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30.000 Verdächtige im Missbrauchskomplex

Erst Anfang September hat die Polizei im Rahmen einer bundesweiten Razzia die Wohnungen von 50 Tatverdächtigen durchsucht. Sie alle tauchten in den Ermittlungen rund um den Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach auf. Die meisten Durchsuchungen gab es in Bayern. Insgesamt wurden 2.000 Beweismittel beschlagnahmt, darunter Handys, Laptops und Datenträger. Ein Tatverdächtige versuchte noch, sein Handy im Badezimmer zu zerstören, als die Polizei plötzlich vor der Tür stand.

Der Fall beschäftigt die Justiz seit geraumer Zeit und zieht unterdessen immer weiterer Kreise. Ende Juni hatte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) mitgeteilt, dass die Ermittler im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach auf Spuren gestoßen seien, die zu potenziell mehr als 30.000 Verdächtigen führen könnten. Es gehe dabei nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie, sondern auch um schweren Kindesmissbrauch.