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Missbrauchs-Skandal: Jugendamt fand die Unterbringung des Pflegekindes auf Campingplatz gut

Campingwagen war "ziemlich in Ordnung"

Missbrauchs-Skandal: Jugendamt fand die Unterbringung des Pflegekindes auf Campingplatz gut

31.01.2019, Nordrhein-Westfalen, Lügde: Ein Absperrband der Polizei ist vor einem Gebäude auf dem Campingplatz Eichwald zu sehen. Auf dem Campingplatz im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden. Drei Tatverdächtige sitzen in Unters
23 Kinder sollen auf dem Campingplatz Eichwald missbraucht worden sein.
gki lof, dpa, Guido Kirchner

Das Pflegekind habe sich nach außen gut entwickelt

Nach den Fällen von Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz Eichwald in Lüdge haben die Behörden neue Details über die Rolle des Jugendamts genannt. Demnach ist im Jahr 2016 sieben Monate lang geprüft worden, ob der mutmaßliche Kinderschänder Andreas V. (56) ein Pflegekind aufnehmen darf. Es sei dabei nichts zu beanstanden gewesen, sagte Landrat Tjark Bartels. Der Campingwagen sei damals als "ziemlich in Ordnung" befunden worden.

Das Mädchen habe sich in der Obhut von Andreas V. gut entwickelt

Der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, will dem Jugendamt im Fall des Campingplatz-Missbrauchs den Rücken stärken. Er könne nicht verstehen, wieso das Jugendamt im Fokus stehe, sagt der SDP-Politiker und fügt hinzu: "Das Jugendamt ist immer verantwortlich. Wenn sie etwas tun oder wenn sie es lassen." Im Netz gebe es eine "Lynch-Stimmung". Die Behörde könne nicht immer von Anfang an von einem Missbrauch ausgehen. "Dann tun wir den Menschen unrecht", so Bartels.

Zum aktuellen Kenntnisstand sagt er: Andreas V. hatte die Pflegschaft über das Kind bekommen, weil es die Mutter so gewünscht hat. "Wer die Sorge hat, hat die Entscheidung", erklärt Bartels. Die Behörde hätte damals ein positives Bild von Andreas V. gehabt: Der Mann sei sozial angebunden gewesen, er wurde seit 2017 vom Jugendamt begleitet. Die Konstellation sei schließlich so genehmigt worden. Es schien damals so, als sei das die beste Möglichkeit für das Kind.

Das Umfeld bewertete das Jugendamt als "nicht messihaft" und "ziemlich in Ordnung". Es sei dabei nichts zu beanstanden gewesen, so Bartels. Außerdem habe sich das Kind in der Obhut des 56-Jährigen "gut entwickelt". Ein Mitarbeiter habe die Unterkunft ein Mal wöchentlich besucht. "Wir wissen jetzt, dass das ein Fehler war", sagte Bartels.