Nach mutmaßlicher Nacktbild-Erpressung durch Likee-App

Wie können wir unsere Kinder vor Missbrauch im Netz schützen?

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3. Dezember 2019 - 18:26 Uhr

Pädophile nutzen Video-Apps aus

Youtube-Stars, denen wegen Vergewaltigung Minderjähriger der Prozess gemacht wird, Pädophile, die angeblich durch die Video-App "Likee" Nacktfotos von kleinen Mädchen erpressen: Immer wieder bekommen Eltern bei solchen schlimmen Nachrichten Angst um ihre Kinder. Doch ihnen deshalb den Zugang zum Internet komplett verweigern? Es gibt auch andere Wege: Gespräche auf Augenhöhe und bestimmten Sicherheitsvorkehrungen können Minderjährige vor den Gefahren im Netz sensibilisieren und ihnen dabei helfen, sich selbst zu schützen.

Cyber Grooming verhindern

Über die hierzulande noch nicht allzu bekannte App Likee, bei der kurze Videos hochgeladen, bearbeitet und geteilt werden, hat offenbar ein Unbekannter mindestens zwei Mädchen gezwungen, ihm Nacktfotos zu schicken. Wie kann ein solcher Vertrauensmissbrauch, auch als Cyber Grooming bekannt, verhindert werden?

Offenes Gespräch, offene Ohren

"Unkenntnis begünstigt Missbrauch", warnt die Polizei auf ihrer Beratungs-Website. Gerade jüngeren Kindern fehlen oftmals die Antennen, um hinter einem vermeintlich netten Online-Kontakt böse Absichten zu vermuten. Den Eltern fällt es oft schwer, das Tabu-Thema des sexuellen Missbrauchs anzuschneiden – aus Angst, ihre Kinder zu verstören. Doch ebenso, wie schon den Kleinsten erklärt wird, auf der Straße nicht mit Fremden mitzugehen, sollte auch im Bezug auf das Netz vorgegangen werden. So können die Kinder selbst ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass gerade in Apps, in denen vermeintlich harmlose Fotos oder Videos ausgetauscht werden, nicht immer alles Gold ist, was glänzt.

Auch, wenn bereits etwas vorgefallen ist, sollten Kinder ohne Hemmungen darüber sprechen können – das gilt auch für andere ernste Online-Probleme wie Cybermobbing. Signalisieren Sie, dass Sie immer mit einem offenen Ohr und ohne Vorwürfe für solche Gespräche da sind.

Sich auf Regeln einigen

Entdecken Sie neue Apps oder Online-Plattformen gemeinsam. So entwickeln Sie als erwachsene Bezugsperson selbst ein Gespür dafür, wie darin kommuniziert werden, können mögliche Schwachstellen schnell selbst identifizieren und zusammen mit dem Nachwuchs eine Lösung finden. Auch Regeln zur Nutzung, etwa wie viel Zeit pro Woche mit der App verbracht werden darf, lassen sich so leichter vereinbaren.

Verschiedene Websites bieten hier Unterstützung an, zum Beispiel "schau-hin.info" oder "surfen-ohne-risiko-net" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Dort können Familien gemeinsam ein Regelwerk zusammenstellen, etwa mit Punkten wie "Mit Cyber-Freunden treffe ich mich nicht" oder "Mein Passwort ist geheim. Für jeden!!!"

Privates Profil

Auch, wenn bei Apps wie TikTok oder Likee Inhalte mit der ganzen Welt geteilt werden – für Minderjährige sollten Einschränkungen gelten. So lässt sich das Profil auf privat stellen. Online gestellte Videos und Fotos können dann nur Follower sehen, die vorher einen Antrag gestellt haben. So kann der virtuelle Freundeskreis auf Menschen, die Ihr Kind tatsächlich kennt, eingeschränkt werden. Bei Direktnachrichten gibt es ebenfalls die Möglichkeit, diese nur bestimmten Personen zu gestatten.

Keine persönlichen (Standort-)Daten

Der vollständige Name, Wohnort, Handynummer und andere persönliche Details sollten in der App nicht in der Beschreibung stehen und auch nicht herausgegeben werden. Viele Apps arbeiten außerdem mit Funktionen, die auf die Standortdaten des Smartphones zurückgreifen. Sind diese ausgeschaltet, kann auch der Aufenthaltsort der Kinder nicht ermittelt und verhindert werden, dass aus einem verdächtigen Online-Kontakt echtes Stalking wird.

Sexueller Missbrauch in öffentlichen Einrichtungen: Leitfaden soll helfen

Nicht nur in der virtuellen, vor allem in der realen Welt ist sexueller Missbrauch von Kindern ein Problem - auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Vereinen. Diese sind mit dem Thema oft überfordert. Ein Leitfaden der Bundesregierung soll den Verantwortlichen nun helfen, das Tabu zu brechen und im Ernstfall zu wissen, wie sie richtig reagieren.