21. März 2019 - 10:16 Uhr

Auch Eltern "könnten Täter sein"

Der Missbrauchfall auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde wird immer perfider. Offenbar haben Pflegeeltern ihre Kinder sogar dort abgeliefert, damit sie missbraucht werden. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Das Jugendamt hat deshalb fünf Kinder von ihren Pflegeeltern weggeholt.

Fünf weitere Kinder von Jugendamt in Obhut genommen

Es muss schrecklich gewesen sein, was auf dem Campingplatz in Lügde Tag für Tag passiert ist. Jahrelang wurden Kinder in einen Wohnwagen gelockt, missbraucht und dabei gefilmt. Und das in mehr als 1.000 Fällen. Jetzt kommt ans Licht: Eltern sollen ihre Kinder sogar dort abgeliefert haben, damit sie vom mutmaßlichen Täter Andreas V. missbraucht werden. Das berichtet der "WDR".

Das Jugendamt Lippe habe deshalb fünf Kinder in seine Obhut genommen. Gegen zwei Eltern werde ermittelt. "Die Kinder sind auf alle Fälle Opfer. Die Eltern könnten Täter sein. Das wird ermittelt. Ein Kind lebte auch in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz", sagte der Jugendamtsleiter Karl-Eitel John dem Sender.

Mitarbeiter hätten besonders aufmerksam hingeschaut

Die fünf Kinder stammten aus drei Familien. Das Jugendamt des Kreises Lippe habe Hinweise durch Fachkräfte sowie Anzeigen bei der Polizei jeweils mit dem Verdacht auf Missbrauch erhalten, sagte der Sprecher. Nach dem ersten Fall und der Inobhutnahme Mitte November 2018 hätten alle Mitarbeiter besonders aufmerksam hingeschaut.

Andreas V. sitzt in Untersuchungshaft

Der arbeitslose Dauercamper soll die Kinder gemeinsam mit einem 33-jährigen Komplizen über Jahre hinweg missbraucht haben. Sein Pflegekind setzte er ein, um andere Opfer anzulocken. Der 56-Jährige sitzt seit Ende 2018 in Untersuchungshaft, kurz danach wurden ein 33-Jähriger aus Steinheim sowie ein 48-Jähriger aus Stade festgenommen. Der Stader soll den Kindesmissbrauch im Internet live verfolgt haben.

Am Dienstag räumte Landrat Tjark Bartels ein, dass schon 2016 Verdacht auf sexuell übergriffiges Verhalten gegen Andreas V. geäußert wurde. Das Jugendamt habe ihn aber trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie als Pflegevater für das kleine Mädchen eingesetzt.