„Ein schlechter Tag für Thüringen“

Ministerpräsidentenwahl: CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer wollte, dass ihre Leute sich enthalten

Interview mit Annegret Kramp-Karrenbauer nach dem Wahl-Eklat in Thüringen
Interview mit Annegret Kramp-Karrenbauer nach dem Wahl-Eklat in Thüringen
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05. Februar 2020 - 23:54 Uhr

AKK kritisiert Abgeordnete in Thüringen für „falsche Entscheidung“

Der Ausgang der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen hat Schockwellen durch das politische Deutschland gesendet. Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer kritisiert die eigenen Leute in Thüringen und fordert Neuwahlen. "Die Entscheidung der CDU im dritten Wahlgang, sich nicht zu enthalten, war eine falsche Entscheidung", sagte sie im RTL-Interview.

Hat die CDU-Chefin ihre Partei nicht mehr im Griff?

Es sei "ein schlechter Tag für Thüringen", weil es dort keine stabile Regierung gebe, aber auch "ein schlechter Tag für das politische System in Deutschland. Zum ersten Mal gebe es einen "Ministerpräsidenten von Höckes Gnaden", erklärte Kramp-Karrenbauer sichtlich betroffen.

"Wir haben der CDU ganz dringend ans Herz gelegt, sich im dritten Wahlgang zu enthalten", so die Parteivorsitzende. "Leider sind die Abgeordneten sozusagen ihrer eigenen Entscheidung gefolgt", bedauerte sie. Im Vorfeld abgesprochen sei das Abstimmungsverhalten nicht gewesen, sie könne und müsse sich da auf die Aussage des Thüringer Landesvorsitzenden verlassen.

Annegret Kramp-Karrenbauer will jetzt Neuwahlen für Thüringen

Kramp-Karrenbauer fordert nun Neuwahlen, um in Thüringen wieder "klare Verhältnisse" zu schaffen. Denn einen Ministerpräsidenten, der auf Stimmen der AfD angewiesen sei, könne die CDU nicht unterstützen. "Das verbietet unsere Beschlusslage in der Partei", erklärte Kramp-Karrenbauer.

Bei der Wahl des neuen Ministerpräsidenten in Erfurt setzte sich völlig überraschend FDP-Kandidat Thomas Kemmerich mit den Stimmen von Liberalen, AfD und CDU und nur einer Stimme Mehrheit gegen Amtsinhaber Bodo Ramelow (Linke) durch. Es war das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass die AfD einem Ministerpräsidenten ins Amt half. Das rief bei SPD, Grünen, Linken, aber auch bei CDU und CSU Empörung hervor. Kemmerich will nun eine Minderheitsregierung mit CDU, SPD und Grünen bilden. SPD und Grüne haben aber bereits abgesagt.

Das ganze Interview mit Annegret Kramp-Karrenbauer sehen Sie auch um 0 Uhr im RTL-Nachtjournal.