Ministerpräsident Weil hält Reform der Pflege für überfällig

Stephan Weil (SPD) trägt einen Mund-Nasenschutz und steht vor dem Hanns-Lilje-Heim. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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13. Juli 2020 - 17:51 Uhr

Die Pflege in Deutschland muss aus Sicht von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil grundlegend erneuert werden. "Mich musste schon vor Corona niemand davon überzeugen, dass eine Reform im Pflegewesen in Deutschland überfällig ist", sagte der Regierungschef am Montag in Wolfsburg. Dort hatte der SPD-Politiker zuvor ein Alten- und Pflegeheim besucht, das zu Beginn der Corona-Krise Ende März besonders hart von dem Virus getroffen wurde.

45 Männer und Frauen starben dort in Folge einer Infektion, das war rund ein Viertel aller Bewohner. Im Hanns-Lilje-Heim sei während des starken Infektionsgeschehens großartige Arbeit geleistet worden, sagte Weil. In dem Alters- und Pflegeheim der Diakonie leben überwiegend demenzkranke Menschen, zu Beginn der Krise waren es 165 Bewohner. Zwischenzeitlich waren 111 erkrankt, auch 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter litten an einer Covid-19-Infektion.

Mit Blick auf die Pandemie insgesamt sagte Weil: "Ich hoffe, dass wir durch diese Erfahrung, die wir jetzt gemacht haben, auch wirklich in der politischen Diskussion einen Schritt vorwärts kommen". Der starke Fokus auf die Wirtschaftlichkeit dieses Bereiches müsse korrigiert werden. Die Lebensqualität und Arbeitsqualität müssten ein größeres Gewicht erhalten.

Angesichts der sinkenden Infektionszahlen gelten in Niedersachsen seit Montag weiter vorsichtig gelockerte Corona-Beschränkungen. So dürfen Heimbewohner und Krankenhauspatienten künftig wieder von mehr als einer Person gleichzeitig Besuch erhalten, wenn es die örtlichen Hygienemaßnahmen zulassen.

Quelle: DPA