Minister spielt falsches Spiel: Korruptionsskandal in griechischer Regierung?

24. März 2015 - 8:02 Uhr

Persönliche Provision für politische Entscheidungen

Die Schuldenkrise in Griechenland spitzt sich immer weiter zu. Nach Berechnungen der EU-Kommission bleiben dem Land nur noch zweieinhalb Wochen, bis das Geld ausgeht. Ausgerechnet jetzt gibt es neue Hiobsbotschaften: In der griechischen Regierung bahnt sich ein Korruptionsskandal an.

Korruption in Athens Regierung?
Dunkle Wolken über Athen.
© dpa, Arno Burgi

Nicht einmal zwei Monate ist die neue Regierung im Amt. Doch was die Wochenzeitung 'To Vima' in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, klingt nach einem handfesten Skandal. Im Mittelpunkt: Der Vizeminister für Verwaltungsreformen, Georgios Katrougalos. Laut dem Bericht vertritt seine Kanzlei 300 ehemalige Beamte, die in der Krise ihren Job verloren haben.

Die Kanzlei kämpft für deren Wiedereinstellung - also genau das, was die Regierung Tsipras im Wahlkampf angekündigt hat. Sobald ein Fall gewonnen ist, werden für die Kanzlei des Vizeministers zwölf Prozent Provision fällig. Geschlossen wurden die Verträge Ende Januar, also genau in den Tagen der Regierungsbildung – ein guter Deal mit der Aussicht, als Minister selbst die Wiedereinstellung der Beamte durchsetzen zu können.

Druck auf Tsipras vor Antrittsbesuch in Berlin

Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich vorerst hinter seinen Minister gestellt. Eine weitere Krise kann er nicht gebrauchen. Jetzt, wo Europa auf seine Liste mit den Reformvorschlägen wartet. Montag ist Tsipras zu Gast in Berlin.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat mehr Reformwillen vom Euro-Schuldenland verlangt. "Weitere Hilfen für Griechenland wird es nur dann geben können, wenn Griechenland uneingeschränkt bereit ist, seine eigenen Probleme zu lösen", sagte Oppermann 'Spiegel Online'. "Ohne einen glasklaren Reformwillen der griechischen Regierung läuft gar nichts."

Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, Griechenland harte Auflagen machen zu wollen, falls im Sommer ein drittes Hilfspaket nötig wird. Tsipras trifft sich in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Es ist aber auch ein Gespräch mit der Partei- und Fraktionsspitze der Linken geplant. Tsipras gehört der griechischen Schwesterpartei Syriza an.